/ 20.06.2013
Daniel-Erasmus Khan
Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen
Tübingen: Mohr Siebeck 2004 (Jus Publicum 114); XXIV, 744 S.; Ln., 129,- €; ISBN 3-16-148403-7Rechtswiss. Habilitationsschrift München; Gutachter: B. Simma, R. Scholz. - Die Bindung an einen abgegrenzten Flecken Erde sei ein Grundprinzip menschlichen Verhaltens, schreibt Khan. Schon früh habe sich dabei der gedankliche Zusammenhang zwischen Grenzziehung und Frieden entwickelt. Und über die territorial festgelegte Souveränität eines Staates definiere sich seit 500 Jahren die politische Einheit der Völker Europas. In diesem europäischen Rahmen untersucht Khan die „normativen Grundlagen des...
Daniel-Erasmus Khan
Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen
Tübingen: Mohr Siebeck 2004 (Jus Publicum 114); XXIV, 744 S.; Ln., 129,- €; ISBN 3-16-148403-7Rechtswiss. Habilitationsschrift München; Gutachter: B. Simma, R. Scholz. - Die Bindung an einen abgegrenzten Flecken Erde sei ein Grundprinzip menschlichen Verhaltens, schreibt Khan. Schon früh habe sich dabei der gedankliche Zusammenhang zwischen Grenzziehung und Frieden entwickelt. Und über die territorial festgelegte Souveränität eines Staates definiere sich seit 500 Jahren die politische Einheit der Völker Europas. In diesem europäischen Rahmen untersucht Khan die „normativen Grundlagen des räumlichen Umfangs des deutschen Staatsgebietes“ (11) und beschreibt Besonderheiten und offene Rechtsfragen. Es zeige sich ein „erstaunlich hohes Maß an rechtshistorischer Kontinuität und Stabilität“ (660), so der Autor, von einer Sonderentwicklung Deutschlands könne keine Rede sein. Die Entwicklung bzw. Festigung der deutschen Grenzen sei in eine bis in die Antike zurückweisende Rechtsentwicklung eingebunden, in der sich die Grenze als Rahmen und Begrenzung der staatlichen Rechtsordnung immer weiter konkretisiert habe. Die Grenze zu Böhmen habe sich z. B. bereits Jahrhunderte vor dem Westfälischen Frieden 1648 verfestigt, mit diesem die Grenze zu Frankreich. Andererseits gäbe es Grenzgebiete, die bis heute nicht entflechtet seien, so am Bodensee. Als einzigen wirklich massiven Bruch mit der kontinuierlichen und gemeinsamen europäischen Rechtsgeschichte benennt der Autor die Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg und die damit erfolgte Festlegung auf die Oder-Neiße-Linie als Grenze. Die Stärke der Analyse wird gerade bei diesem Thema deutlich - Khan gewinnt ein lange politisch heikles Thema endgültig für die sachliche Darstellung zurück.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Daniel-Erasmus Khan: Die deutschen Staatsgrenzen. Tübingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22895-die-deutschen-staatsgrenzen_26145, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26145
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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