/ 11.06.2013
Cathrin Friedrich
Erich Brandenburg - Historiker zwischen Wissenschaft und Politik
Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1998 (Leipziger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftspolitik); 358 S.; brosch., 25,05 €; ISBN 3-929031-95-7Geschichtswiss. Diss. Freiburg; Gutachter: E. Schulin. - Die Arbeit widmet sich einem Zeithistoriker und nationalliberalen Politiker, der heute kaum noch bekannt ist. Nach Ansicht der Autorin wäre es "vermessen" (16), Brandenburg zu den Großen des Faches zu zählen. Jahrzehntelang lehrte er an der Universität Leipzig und befasste sich vor allem mit deutscher Geschichte des 19. Jahrhunderts. Von 1912 bis 1919 war er der Vorsitzende der sächsischen Nationalliberalen, hat jedoch nie ein Parlamentsma...
Cathrin Friedrich
Erich Brandenburg - Historiker zwischen Wissenschaft und Politik
Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1998 (Leipziger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftspolitik); 358 S.; brosch., 25,05 €; ISBN 3-929031-95-7Geschichtswiss. Diss. Freiburg; Gutachter: E. Schulin. - Die Arbeit widmet sich einem Zeithistoriker und nationalliberalen Politiker, der heute kaum noch bekannt ist. Nach Ansicht der Autorin wäre es "vermessen" (16), Brandenburg zu den Großen des Faches zu zählen. Jahrzehntelang lehrte er an der Universität Leipzig und befasste sich vor allem mit deutscher Geschichte des 19. Jahrhunderts. Von 1912 bis 1919 war er der Vorsitzende der sächsischen Nationalliberalen, hat jedoch nie ein Parlamentsmandat in Land oder Reich innegehabt. Warum also diese Biographie? Vielleicht deshalb, weil gerade auch durchschnittlich herausgehobene Lebensläufe typische Aussagen über und Einblicke in die Zeitläufe erlauben. Die Autorin gliedert ihre Arbeit in drei systematische Abschnitte. An "Persönliche Entwicklung und wissenschaftlicher Werdegang" (26 ff.) schließt sich "Politische Identität und Laufbahn" (126 ff.) und "Geschichtswerk" (219 ff.) an, wo die Geschichtsphilosophie Brandenburgs Gegenstand ist. Als Historiker war er strenger Rankeaner, der sich allen Neuerungen in Methode und Fragestellung verschloss. Mit seinen einflussreichen Positionen als Dekan und (ab 1919) Rektor in Leipzig hat er auch universitätspolitisch konservativ gewirkt. Als Politiker stand Brandenburg auf dem rechten Flügel der Nationalliberalen und trat im Ersten Weltkrieg als konsequenter Annexionist publizistisch hervor. Der Weimarer Republik begegnete er skeptisch, und 1933 zeigte er sich sehr offen gegenüber dem Nationalsozialismus. Hitler erscheint dem Gelehrten noch im Mai 1945 als wahrer Idealist (214). Gelegenheiten, bei denen man Zivilcourage in der Verteidigung angegriffener Kollegen hätte zeigen können, ließ Brandenburg ungenutzt vorüberstreichen - kurz, in der Arbeit von Friedrich tritt uns ein ganz normaler Deutscher entgegen. Und dies macht auch die Lektüre interessant.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 1.3
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Cathrin Friedrich: Erich Brandenburg - Historiker zwischen Wissenschaft und Politik Leipzig: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10846-erich-brandenburg---historiker-zwischen-wissenschaft-und-politik_12828, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12828
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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