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/ 20.06.2013
Stefan Finger

Franz Josef Strauß. Ein politisches Leben

München: Olzog 2005; 555 S.; hardc., 34,- €; ISBN 3-7892-8161-1
Franz Josef Strauß darf zu den umstrittensten Politikern der alten Bundesrepublik gezählt werden. Seine Anhänger schauten in gläubiger Bewunderung zu ihm auf und seine Gegner verachteten und schmähten ihn ohne jeden Maßstab. Finger zählt zu den Strauß-Gläubigen und versucht auf fast jeder Seite nachzuweisen, dass FJS doch Recht hatte. Für den Leser, der von wissenschaftlichen Arbeiten eine gewisse Unvoreingenommenheit erwartet, ist die Studie in dieser Hinsicht ein ziemliches Ärgernis. Andererse...
Stefan Finger

Franz Josef Strauß. Ein politisches Leben

München: Olzog 2005; 555 S.; hardc., 34,- €; ISBN 3-7892-8161-1
Franz Josef Strauß darf zu den umstrittensten Politikern der alten Bundesrepublik gezählt werden. Seine Anhänger schauten in gläubiger Bewunderung zu ihm auf und seine Gegner verachteten und schmähten ihn ohne jeden Maßstab. Finger zählt zu den Strauß-Gläubigen und versucht auf fast jeder Seite nachzuweisen, dass FJS doch Recht hatte. Für den Leser, der von wissenschaftlichen Arbeiten eine gewisse Unvoreingenommenheit erwartet, ist die Studie in dieser Hinsicht ein ziemliches Ärgernis. Andererseits liest man das Werk doch gern bis zur letzten Seite. Das politische Leben des Franz Josef Strauß war einfach unglaublich spannend. Und es war gleichzeitig ein Stück politischer Geschichte der Bundesrepublik, die Strauß von Anbeginn 1949 bis zu seinem Tode 1988 wesentlich mitgestaltet hat. Finger greift für seine umfangreiche Biografie auf das vorliegende Schrifttum, zeitgenössische Presseberichte und zahlreiche Interviews mit politischen Weggefährten zurück. Den Nachlass und die Akten konnte er leider nicht nutzen. Dass dieses Manko zum Vorteil der Arbeit umgedeutet wird, weil der Irrtum der Historiker darin bestehe, „blind an Akten zu glauben“ (15), der bessere Zugang zur Geschichte jedoch in den Selbst- und Fremdzeugnissen der Akteure liege, scheint überzogen. Zu den verschiedenen Strauß-Affären etwa, die hier als ganz nebensächliche, von politischen Gegnern aufgebauschte Vorgänge gedeutet werden („Etwas außerhalb der Legalität“ [209]), hätte man doch gern die Aktenlage erfahren. Ob diese Biografie also die im Prospekt vollmundig gepriesene Annäherung an die Wahrheit über den Politiker Strauß darstellt, mag dahinstehen. Aber eine treffende Charakterisierung des außergewöhnlichen politischen Temperamentes, des entschiedenen Konservativen, des furiosen Rhetorikers und Hitzkopfes, der sich in entscheidenden Momenten als bedächtiger Zauderer zeigte, darf man Fingers Buch schon entnehmen.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Stefan Finger: Franz Josef Strauß. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25186-franz-josef-strauss_29166, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29166 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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