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/ 21.06.2013
Fritz Stern

Fünf Deutschland und ein Leben. Erinnerungen. Aus dem Englischen von Friedrich Griese

München: C. H. Beck 2007; 675 S.; geb., 29,90 €; ISBN 978-3-406-55811-5
Stern stammt aus einer in Breslau angesehenen jüdischen Arztfamilie. Namensgeber und Taufpate Sterns ist der Nobelpreisträger für Chemie Fritz Haber. Das erste Deutschland erlebt Stern, Jahrgang 1926, in der Weimarer Republik – sicherlich aus weiter geistiger Entfernung. Das zweite Deutschland prägt den Jugendlichen nachhaltig; die Sterns verlassen 1938 Deutschland und Fritz, der unter den nationalsozialistischen Erlebnissen in der Schule gelitten hat, findet in den USA eine neue Heimat. V...
Fritz Stern

Fünf Deutschland und ein Leben. Erinnerungen. Aus dem Englischen von Friedrich Griese

München: C. H. Beck 2007; 675 S.; geb., 29,90 €; ISBN 978-3-406-55811-5
Stern stammt aus einer in Breslau angesehenen jüdischen Arztfamilie. Namensgeber und Taufpate Sterns ist der Nobelpreisträger für Chemie Fritz Haber. Das erste Deutschland erlebt Stern, Jahrgang 1926, in der Weimarer Republik – sicherlich aus weiter geistiger Entfernung. Das zweite Deutschland prägt den Jugendlichen nachhaltig; die Sterns verlassen 1938 Deutschland und Fritz, der unter den nationalsozialistischen Erlebnissen in der Schule gelitten hat, findet in den USA eine neue Heimat. Vielleicht ist es dieses neue Heimatgefühl, was ihn dazu befähigt, aus einer inneren Distanz zum Forschungsobjekt „Deutschland“ ein Experte für europäische und deutsche Geschichte zu werden, insbesondere für das dritte (Bundesrepublik) und vierte Deutschland (DDR). Dabei ist dies eher eine Entwicklung und nicht eine konkrete Entscheidung zum Beginn des Studiums. Stern, seit seinen ersten akademischen Tagen mit der Columbia University verbunden, ist allerdings auch eine Art Wissenschaftsdiplomat im Kalten Krieg, der Verbindungen in die Sowjetunion, Polen und DDR zu höchst politischen Gesprächen nutzt. Als überzeugter Liberaler weicht er politischen Disputen nicht aus, nicht im Inland, als die neokonservativen Strömungen um Reagan an Einfluss gewinnen, nicht im Ausland, schon gar nicht gegenüber Deutschland mit seinem belasteten Geschichtsverhältnis zum Nationalsozialismus und zum Judentum. Sterns Erinnerungen sind eine höchst lesenswerte Kombination von autobiografischer Erzählung und zeitgeschichtlich-politischer Analyse, die nicht zuletzt aufgrund des unaufgeregten und klug-reflektierten Stils angenehm lesbare Lebenseinsichten auch für das fünfte, wiedervereinigte Deutschland bietet.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 1.32.3 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Fritz Stern: Fünf Deutschland und ein Leben. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28203-fuenf-deutschland-und-ein-leben_33176, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 33176 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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