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/ 17.06.2013
Jürgen Hogrefe

Gerhard Schröder. Ein Porträt

Berlin: Siedler Verlag 2002; 223 S.; Ln., 19,90 €; ISBN 3-88680-757-6
Hogrefe, Redakteur des "Spiegels" und vormals Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, kennt Schröder seit 1984. In diesem Buch versucht er sich ausgehend von einer Reihe von Schlagworten wie „Macht", „Theorie", „Partei" bis hin zu „Lachen", „Lernen", oder „Fußball" Person und Politik Schröders kapitelweise zu nähern: „Nahezu jedes der zwölf Kapitel ist in seiner eigenen Form geschrieben - mal als Reportage, mal als Essay oder als bunte Geschichte." (9) Durchgängig erkennbar wird der Zu...
Jürgen Hogrefe

Gerhard Schröder. Ein Porträt

Berlin: Siedler Verlag 2002; 223 S.; Ln., 19,90 €; ISBN 3-88680-757-6
Hogrefe, Redakteur des "Spiegels" und vormals Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, kennt Schröder seit 1984. In diesem Buch versucht er sich ausgehend von einer Reihe von Schlagworten wie „Macht", „Theorie", „Partei" bis hin zu „Lachen", „Lernen", oder „Fußball" Person und Politik Schröders kapitelweise zu nähern: „Nahezu jedes der zwölf Kapitel ist in seiner eigenen Form geschrieben - mal als Reportage, mal als Essay oder als bunte Geschichte." (9) Durchgängig erkennbar wird der Zusammenhang von Biografie und Politik: „Sein [Schröders] Aufstiegswille, sein robuster Umgang mit Gegnern, seine Kraft zur Selbstbehauptung - all das speist sich aus den Demütigungen seiner Kindheit." (17) Mehrmals verweist Hogrefe auf die Bedeutung einer kleinen Zahl enger Mitarbeiter um Schröder: von der Büroleiterin Sigrid Krampitz bis zu Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier, der etwa für die Übersetzung des moderierenden Politikverständnisses des Kanzlers in konkrete Projekte und Verfahren zuständig ist. Wichtig sei Schröder aber auch der Rat des Forsa-Chefs Manfred Güllner, dessen demoskopische Analysen gleichwohl noch durch die besondere „Methode Schröder" ergänzt werden: „Selbst ideologisch nicht fixiert, folgt er [Schröder] bei Konflikten seinem Instinkt für Lösungen, für die er sich nicht nur Erfolg, sondern auch den Beifall des Wählerpublikums erwartet." (27) Gerade der letzte Wahlkampf dürfte diesen Satz in besonderem Maße bestätigt haben. Die unterschiedlich gestalteten und unterschiedlich langen „Kapitel" bergen gelegentlich Wiederholungen. Viele Einblicke in den privaten und amtlichen Alltag jedoch konturieren das Bild des Kanzlers: So etwa die Anekdote, dass er seinem außenpolitischen Berater Michael Steiner kurz vor dessen tatsächlicher Entlassung bereits auf literarischem Wege deutlich gemacht hatte, dass dieser drohte, in eine politisch prekäre Situation zu geraten. Schröder empfahl Steiner die Lektüre des 22. Kapitels aus Machiavellis Principe „Über die Minister", in dem geschrieben steht, dass ein guter Minister in allem was er tut, mehr an den Fürsten als an sich selbst denken sollte. Geschieht dies nicht, empfiehlt der Theoretiker der Macht Entlassung.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Jürgen Hogrefe: Gerhard Schröder. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16848-gerhard-schroeder_19359, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19359 Rezension drucken
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