/ 06.06.2013
Patricia Clough
Hannelore Kohl. Zwei Leben. Aus dem Englischen von Peter Torberg
Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2002; 221 S.; 2. Aufl.; geb., 19,90 €; ISBN 3-421-05615-3Warum "zwei Leben"? Aus Sicht der britischen Journalistin Clough, die viele Jahre als Korrespondentin u. a. für die "Times" und den "Independent" aus Deutschland berichtet und 1998 das Buch "Helmut Kohl. Ein Portrait der Macht" veröffentlicht hat, führte Hannelore Kohl ein doppeltes Leben. "Das eine Leben war jenes, das sie in unseren Köpfen führte, geformt durch ihre Medienpräsenz, durch die ihres Gatten und durch das, was wir in ihr sehen wollten. Das andere war die wirkliche Hannelore Kohl, e...
Patricia Clough
Hannelore Kohl. Zwei Leben. Aus dem Englischen von Peter Torberg
Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2002; 221 S.; 2. Aufl.; geb., 19,90 €; ISBN 3-421-05615-3Warum "zwei Leben"? Aus Sicht der britischen Journalistin Clough, die viele Jahre als Korrespondentin u. a. für die "Times" und den "Independent" aus Deutschland berichtet und 1998 das Buch "Helmut Kohl. Ein Portrait der Macht" veröffentlicht hat, führte Hannelore Kohl ein doppeltes Leben. "Das eine Leben war jenes, das sie in unseren Köpfen führte, geformt durch ihre Medienpräsenz, durch die ihres Gatten und durch das, was wir in ihr sehen wollten. Das andere war die wirkliche Hannelore Kohl, eine Frau, die einer ganz bestimmten Generation angehörte und die die Karten, die ihr das Leben zugeteilt hatte, so gut ausspielte, wie sie nur konnte." (22) Clough schildert mit großer Akribie und einer gewissen Sympathie gegenüber der Biografierten Kohls Leben, das sie im Dienste ihres Mannes verbrachte: von ihrer Kindheit bis zu ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter, als Landesmutter von Rheinland-Pfalz und später als First Lady an der Seite des Bundeskanzlers, ihr Engagement für das Kuratorium ZNS sowie die letzten Jahre, in denen sie sehr unter der Parteispendenaffäre und zeitgleich an einer schweren Krankheit, einer Lichtallergie litt, deren Folgen sie letztendlich zum Freitod bewegten. Clough zeichnet ein Bild von einer familienorientierten, intelligenten, perfekt organisierten, fleißigen, in jeder Hinsicht loyalen, disziplinierten, standhaften und selbstbewussten Frau. Helmut Kohl über seine Frau: "'Sie ist von einer unerhörten Pflichtauffassung und Treue.'" (81) Die Familie Kohl wollte das Erscheinen dieses Buches verhindern und hat um alle Familienmitglieder, Mitarbeiter und Freunde eine Mauer des Schweigens gelegt, was u. a. damit begründet wird, dass Sohn Peter Kohl gemeinsam mit der Journalistin Dona Kujacinski ebenfalls ein Buch über seine Mutter zur selben Zeit vorgelegt hat, das "authentisch" sein soll. Dennoch ist es Clough gelungen, Interviews mit zahlreichen Zeitzeugen zu führen und ein gut recherchiertes - durch zahlreiche Fotos angereichertes - Buch zu präsentieren, dessen zweite Auflage binnen nur weniger Monate präsentiert wird.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Patricia Clough: Hannelore Kohl. Stuttgart/München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8819-hannelore-kohl_19521, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19521
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