/ 17.06.2013
Uwe Soukup
Ich bin nun mal Deutscher. Sebastian Haffner. Eine Biographie
Berlin: Aufbau-Verlag 2001; 344 S.; geb., 20,40 €; ISBN 3-351-02526-2Rechtzeitig zu dem bemerkenswerten Erfolg, den Haffners "Geschichte eines Deutschen" (siehe ZPol 1/02: 197) erzielt hat, ist diese informative, ohne jedes akademische Wortgeklingel auskommende Biographie des großen deutschen Publizisten erschienen. Sie gibt dem Leser vor allem einen faszinierenden Einblick in das umfangreiche Werk des 1999 verstorbenen Haffner, der 1907 als Raimund Pretzel geboren wurde und während des Krieges in England das Pseudonym annahm, unter dem er bis heute bekannt ist. ...
Uwe Soukup
Ich bin nun mal Deutscher. Sebastian Haffner. Eine Biographie
Berlin: Aufbau-Verlag 2001; 344 S.; geb., 20,40 €; ISBN 3-351-02526-2Rechtzeitig zu dem bemerkenswerten Erfolg, den Haffners "Geschichte eines Deutschen" (siehe ZPol 1/02: 197) erzielt hat, ist diese informative, ohne jedes akademische Wortgeklingel auskommende Biographie des großen deutschen Publizisten erschienen. Sie gibt dem Leser vor allem einen faszinierenden Einblick in das umfangreiche Werk des 1999 verstorbenen Haffner, der 1907 als Raimund Pretzel geboren wurde und während des Krieges in England das Pseudonym annahm, unter dem er bis heute bekannt ist. Kaum einer im deutschsprachigen Raum hat Geschichte so fesselnd, kompetent und geistreich darstellen können wie er und kaum einer hat in seiner publizistischen Karriere so viele Giftpfeile auf sich gezogen. Haffner eckte immer wieder mit klaren Meinungsäußerungen an, die Denkverbote und politische Korrektheiten ein ums andere Mal ignorierten.
Soukup stellt Haffners Schaffen mit sehr vielen Zusammenfassungen und detaillierten Auszügen aus seinen Artikeln und Büchern vor. Haffners Leben bis zu seiner Emigration nach England im Jahre 1938 zeichnet Soukup dabei eher in groben Strichen nach und verweist stattdessen auf die "Geschichte eines Deutschen". Umso interessanter sind die Schilderungen von Haffners Leben in England und seiner langjährigen Tätigkeit beim Observer. Wie hellsichtig er die politische Lage beurteilte, ist immer wieder frappierend zu lesen. Diese Fähigkeit zur klaren Analyse auf der Basis eines umfassenden historischen Wissens zieht sich auch durch seine ganze Tätigkeit in der Bundesrepublik, in die er 1954 zurückkehrte, nachdem er 1948 britischer Staatsbürger geworden war. Haffner arbeitete für "Die Welt", für "Christ und Welt", und nachdem er sich mit beiden Zeitungen wegen deren Haltung zur Spiegel-Affäre 1962 überworfen hatte, als langjähriger Kolumnist für den "Stern". Wechselseitig als Reaktionär verschrieen und linker Gesinnung verdächtigt - er schrieb u. a. auch für "konkret" - ließen Haffners Artikel kaum einen Leser gleichgültig. Noch mehr Erfolg erzielte er allerdings durch seine historischen Bücher über Preußen, den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution, Bismarck, Hitler und Churchill. Haffners Fähigkeit, Geschichte anschaulich zu machen und den Leser nicht mit Zettelkastenwissen zu überschütten, machte ihn zu einem der erfolgreichsten Historiker in Deutschland, obwohl er nie Geschichte studiert oder gelehrt hatte. Soukup gelingt es, Haffners Leben und Arbeit im Kontext der wechselvollen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts zugänglich zu machen. Gleichzeitig weckt er aufs Neue das Interesse an dessen Schriften.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Uwe Soukup: Ich bin nun mal Deutscher. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15691-ich-bin-nun-mal-deutscher_17893, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17893
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA