/ 19.06.2013
Torben Lütjen
Karl Schiller (1911-1994) "Superminister" Willy Brandts
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2007 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 76); 403 S.; hardc., 29,90 €; ISBN 978-3-8012-4172-8Politikwiss. Diss. Göttingen; Gutachter: F. Walter. – Lütjen schildert das Leben des früheren Bundesministers für Wirtschaft und Finanzen, seine Darstellungen stützt er auf eine breite Quellenbasis. Nach Matthias Hochstätters „wirtschaftspolitischer Biografie“ (siehe ZPol-Nr. 30838) liegt damit innerhalb kürzester Zeit die zweite Biografie Schillers vor. Im Gegensatz zu Hochstätter widmet sich Lütjen dem gesamten Lebensweg des Ökonomen. Schiller kam bereits während des Studiums...
Torben Lütjen
Karl Schiller (1911-1994) "Superminister" Willy Brandts
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2007 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 76); 403 S.; hardc., 29,90 €; ISBN 978-3-8012-4172-8Politikwiss. Diss. Göttingen; Gutachter: F. Walter. – Lütjen schildert das Leben des früheren Bundesministers für Wirtschaft und Finanzen, seine Darstellungen stützt er auf eine breite Quellenbasis. Nach Matthias Hochstätters „wirtschaftspolitischer Biografie“ (siehe ZPol-Nr. 30838) liegt damit innerhalb kürzester Zeit die zweite Biografie Schillers vor. Im Gegensatz zu Hochstätter widmet sich Lütjen dem gesamten Lebensweg des Ökonomen. Schiller kam bereits während des Studiums der Nationalökonomie mit dem Keynesianismus in Kontakt. Erste wissenschaftliche Erfahrungen sammelte er am Kieler Institut für Weltwirtschaft, das in der NS-Zeit eine Art Think Tank der deutschen Wehrmacht war. Nach dem Kriegseinsatz an der Ostfront ging Schiller nach Hamburg. Dort konnte er – trotz seiner früheren NSDAP-Mitgliedschaft – rasch Kontakte zur SPD knüpfen und eine steile Karriere beginnen: 1947 als Professor für Volkswirtschaft an der Universität und von 1948 bis 1953 als Hamburger Wirtschaftssenator. Das Amt des Wirtschaftssenators übte Schiller auch in Berlin aus: von 1961 bis 1965. 1965 wechselte er als Mitglied des Bundestages nach Bonn, wurde wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und ab 1966 in der Großen Koalition Wirtschaftsminister. In der sozialliberalen Koalition diente Schiller ebenfalls als Wirtschaftsminister, ab 1971 zusätzlich für das Finanzressort verantwortlich zeichnend, wurde er Willy Brandts „Superminister“. Bereits 1972 trat er als Minister zurück und übergab das Amt an seinen ehemaligen – von ihm 1950 entlassenen – Hamburger Referenten Helmut Schmidt. Bei Lütjen erscheint Schiller als Prototyp des Sozialingenieurs, der Wirtschafts- und Gesellschaftssteuerung auf wissenschaftlich-technischer Grundlage zu betreiben versucht, letztlich aber mit diesem technokratischen Programm scheitert.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Torben Lütjen: Karl Schiller (1911-1994) Bonn: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21548-karl-schiller-1911-1994_33263, veröffentlicht am 03.04.2008.
Buch-Nr.: 33263
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA