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/ 31.05.2013
Iring Fetscher

Neugier und Furcht. Versuch, mein Leben zu verstehen

Hamburg: Hoffmann und Campe 1995; 480 S.; ISBN 3-455-11079-7
Seine Autobiographie sieht Fetscher als Versuch, sein Leben zu verstehen. Er berichtet über seine verträumte Kindheit und Jugend, seine Entscheidung zum Offizierberuf, seine Kriegserlebnisse, seine Studienzeit und seine akademische Entwicklung bis zur Berufung an die Universität in Frankfurt am Main. So sehr jeder dazu neige, sein Leben und seine Entwicklung als sinnvolles Ganzes zu begreifen, sowenig könne Fetscher das von seinem behaupten. Im Blick zurück betrachtet er vor allem die Begeister...
Iring Fetscher

Neugier und Furcht. Versuch, mein Leben zu verstehen

Hamburg: Hoffmann und Campe 1995; 480 S.; geb., 49,80 DM; ISBN 3-455-11079-7
Seine Autobiographie sieht Fetscher als Versuch, sein Leben zu verstehen. Er berichtet über seine verträumte Kindheit und Jugend, seine Entscheidung zum Offizierberuf, seine Kriegserlebnisse, seine Studienzeit und seine akademische Entwicklung bis zur Berufung an die Universität in Frankfurt am Main. So sehr jeder dazu neige, sein Leben und seine Entwicklung als sinnvolles Ganzes zu begreifen, sowenig könne Fetscher das von seinem behaupten. Im Blick zurück betrachtet er vor allem die Begeisterung, mit der er Artillerieoffizier werden wollte, obwohl sein Vater zu dieser Zeit schon von den Nazis verfolgt wurde, mit großer Skepsis. Er bekennt offen, daß es nicht nur die Begeisterung für das Reiten war, die sein Interesse auf die Kavallerie und dann auf die bespannte Feldartillerie lenkte. "Ehrlicherweise sollte ich aber hinzufügen, daß ich auch von dem 'Glanz' des Offizierdaseins geblendet war und 'Ruhm und Ehre' zu gewinnen dachte." (12) "Der ängstliche und schüchterne Knabe, der sportbegeisterte, Nietzsche lesende Jugendliche, der ehrgeizige Offizier, der nachdenklich gewordene Einheitsführer, der überzeugte Antinazi und Demokrat - sie sind ebenso viele Aspekte meines Ichs, die einander abgelöst haben. Von fast allen mag ein Stück davon in mir zurückgeblieben sein. Alle muß ich als Teile meiner widerspruchsvollen Entwicklung akzeptieren." (12) Die Annahme dieser Einzelaspekte seiner Biographie und die Nachzeichnung dieser Entwicklung sieht Fetscher als den einzigen Weg an, sein Leben zu verstehen. Dem Leser eröffnet sich die Entwicklung des Menschen Iring Fetscher zu dem bekannten Politikwissenschaftler. Fetscher nimmt "nur" für sich in Anspruch, sein Leben verständlich zu machen. Indem hier aber ein prominenter und angesehener Vertreter der in der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erwachsen gewordenen Generation seine Entwicklung verstehbar macht, eröffnet sich den Jüngeren die Chance, die Generation ihrer Väter und Großväter besser zu verstehen.
Michael Broer (MB)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 1.3 Empfohlene Zitierweise: Michael Broer, Rezension zu: Iring Fetscher: Neugier und Furcht. Hamburg: 1995, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/425-neugier-und-furcht_178, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 178 Rezension drucken
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