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/ 22.06.2013
Friedbert Pflüger

Richard von Weizsäcker. Mit der Macht der Moral

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2010; 223 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-421-04445-7
Bis heute ist Altbundespräsident Richard von Weizsäcker einer der angesehensten Politiker des Landes, der durch seine Amtsführung Maßstäbe für seine Nachfolger setzte. Anlässlich seines 90. Geburtstages wird von Weizsäcker von dem CDU-Politiker Pflüger porträtiert. Der Autor kann dabei aus seinen persönlichen Erfahrungen als Pressesprecher und Redenschreiber von Weizsäckers während dessen Zeit als regierender Bürgermeister Berlins und als Bundespräsident schöpfen. Leider findet sich nur ein kurz...
Friedbert Pflüger

Richard von Weizsäcker. Mit der Macht der Moral

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2010; 223 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-421-04445-7
Bis heute ist Altbundespräsident Richard von Weizsäcker einer der angesehensten Politiker des Landes, der durch seine Amtsführung Maßstäbe für seine Nachfolger setzte. Anlässlich seines 90. Geburtstages wird von Weizsäcker von dem CDU-Politiker Pflüger porträtiert. Der Autor kann dabei aus seinen persönlichen Erfahrungen als Pressesprecher und Redenschreiber von Weizsäckers während dessen Zeit als regierender Bürgermeister Berlins und als Bundespräsident schöpfen. Leider findet sich nur ein kurzer und vager Hinweis darauf, dass Pflüger dabei sein 1990 im selben Verlag erschienenes Buch „Richard von Weizsäcker – Ein Porträt aus der Nähe“, das diese Zeit abhandelt, kürzt und ergänzt. Das Ergebnis ist keine chronologische, umfassende Beschreibung des Lebens des Altbundespräsidenten, sondern fokussiert die großen politischen „Lebens/index.php?option=com_content&view=article&id=41317“ (13, 49) von Weizsäckers: seinen Einsatz für die Überwindung der Teilung Deutschlands, der durch die Unterstützung von Brandts Ostpolitik und durch sein Eintreten für ein behutsames Zusammenwachsen der beiden Staaten nach 1989 gekennzeichnet ist; seine Auseinandersetzung und geschichtliche Einordnung der NS-Vergangenheit, deren Höhepunkt seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1984 darstellt; seine Kritik am Parteienstaat, die unter anderem zum Bruch mit Helmut Kohl führte; und die Europa- und Außenpolitik, als deren komplementäre Grundpfeiler die politische Westbindung und die geografisch und historisch bedingte Verwurzelung in Mitteleuropa beschrieben werden. Ein abschließendes Kapitel, in dem er als der „Idealtypus des liberalen Großbürgers“ (214) bezeichnet wird, ist dem Chef und Menschen von Weizsäcker gewidmet. Das flüssig geschriebene, durch Anekdoten angereicherte Porträt wirkt stellenweise so sehr von Bewunderung für den „Lehrmeister“ und „väterlichen Freund“ (214) getragen, dass man sich mehr kritischen Abstand gewünscht hätte.
Nikolai Münch (NM)
M. A., Politikwissenschaftler, Doktorand, Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Nikolai Münch, Rezension zu: Friedbert Pflüger: Richard von Weizsäcker. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32187-richard-von-weizsaecker_38394, veröffentlicht am 04.05.2010. Buch-Nr.: 38394 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA