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/ 18.06.2013
Ralf Dahrendorf

Über Grenzen. Lebenserinnerungen

München: C. H. Beck 2002; 190 S.; Ln., 19,90 €; ISBN 3-406-49338-6
Dahrendorf schildert in diesem literarischen und sehr persönlichen Buch seinen frühen Werdegang. Die jüngst auf Englisch geschriebene und bis in die unmittelbare Vergangenheit reichende Autobiografie diente dem Band zwar als Vorlage. Mit jenem Text als Ganzem aber plötzlich unzufrieden, beschränkt sich Dahrendorf hier auf insgesamt 22 ausgewählte Episoden über die Herkunft seiner Familie, das politische Umfeld der niedergehenden Weimarer Republik, das Aufwachsen im nationalsozialistischen Deutsc...
Ralf Dahrendorf

Über Grenzen. Lebenserinnerungen

München: C. H. Beck 2002; 190 S.; Ln., 19,90 €; ISBN 3-406-49338-6
Dahrendorf schildert in diesem literarischen und sehr persönlichen Buch seinen frühen Werdegang. Die jüngst auf Englisch geschriebene und bis in die unmittelbare Vergangenheit reichende Autobiografie diente dem Band zwar als Vorlage. Mit jenem Text als Ganzem aber plötzlich unzufrieden, beschränkt sich Dahrendorf hier auf insgesamt 22 ausgewählte Episoden über die Herkunft seiner Familie, das politische Umfeld der niedergehenden Weimarer Republik, das Aufwachsen im nationalsozialistischen Deutschland sowie über die Stunde Null nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Ergebnis, so Dahrendorf selbst, ist ein buntes autobiografisches Patchwork entstanden, das jenseits der oft verfehlten Suche nach Kohärenz im eigenen Leben vielleicht sogar besser als das umfassendere Werk Licht auf das Vergangene zu werfen imstande ist. Einen weiteren wesentlichen Unterschied zwischen beiden macht die hier eng gezogene zeitliche Eingrenzung aus. In der Rückschau bekommt der Sommer nach Dahrendorfs 28. Geburtstag und nach seiner Habilitation für ihn selbst so fundamentale Bedeutung, dass es ihm gerechtfertigt erscheint, in diesem Band alles Nachfolgende als aus diesem Blickwinkel noch unbekannte Zukunft weitestgehend auszublenden: "Manchmal kommt es mir vor, als ob jeder von uns ein bestimmtes Alter zeitlebens mit sich herumträgt. [...] Was mich betrifft, so bin ich in Wahrheit immer achtundzwanzig gewesen und werde das wohl auch für den Rest meiner Tage bleiben." (11) "Achtundzwanzig ist gleichsam meine Entelechie, die Form, in der meine Lebenskraft ihren reinsten Ausdruck fand." (8)
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Ralf Dahrendorf: Über Grenzen. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17638-ueber-grenzen_20325, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20325 Rezension drucken
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