Skip to main content
/ 21.06.2013
Karl Otto Hondrich

Weniger sind mehr. Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007; 280 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-593-38270-8
Es war das Ziel Hondrichs, entgegen der bisweilen hysterisch geführten Debatte um die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland auf die positiven Auswirkungen von Kinderarmut und Vergreisung hinzuweisen. Es werde schon alles nicht so schlimm – dieser beschwichtigende Tenor zieht sich durch jedes Kapitel, angefangen bei den Grundlagen wirtschaftlicher Produktivität über die sozialen Sicherungssysteme, die Zukunft der Familie oder den Kampf der Kulturen. Hondrichs zentrale These laute...
Karl Otto Hondrich

Weniger sind mehr. Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007; 280 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-593-38270-8
Es war das Ziel Hondrichs, entgegen der bisweilen hysterisch geführten Debatte um die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland auf die positiven Auswirkungen von Kinderarmut und Vergreisung hinzuweisen. Es werde schon alles nicht so schlimm – dieser beschwichtigende Tenor zieht sich durch jedes Kapitel, angefangen bei den Grundlagen wirtschaftlicher Produktivität über die sozialen Sicherungssysteme, die Zukunft der Familie oder den Kampf der Kulturen. Hondrichs zentrale These lautet: Soziokulturelle Systeme besitzen aufgrund ihres Strebens nach Überleben vielfältige Selbststeuerungsmechanismen, ähnlich der Selbstregulierung von Tierpopulationen. Das Problem sei aber, dass die Gesellschaft nach einem Konsens über Bedrohungen dürste – früher seien Objekte dieser kollektiven Ängste Atomkraft oder Aids gewesen, heute seien es Vergreisung und Islamisierung. Politische Subventionspolitik für mehr Kinder oder eindimensionale Schlussfolgerungen aus den Berechnungen der Bevölkerungsstatistik seien falsch, weil weniger Quantität in mehr Qualität münde. Dass ausgerechnet 2,1 Kinder pro Frau populationserhaltend seien, dürfe beispielsweise nicht als biologische Konstante verstanden werden. Seine systemtheoretischen Thesen kann Hondrich allerdings nicht mit gehaltvollen Fakten untermauern. Seine Argumente sind nicht immer überzeugend und bisweilen spekulativ. Besonders fragwürdig sind beispielsweise sein Vergleich produktivitätsfördernder Entlassungen in Unternehmen mit dem Schrumpfprozess der Gesellschaft oder die These, moderne Eltern würden bessere Kinder aufziehen, weil sie sich länger mit dem Kinderkriegen Zeit lassen und ihre Entscheidung gut überdenken würden. Zwar ist es verdienstvoll, gegenüber dem Konsens in der Demografiedebatte kritisch Stellung zu beziehen und zumindest manche alarmistische Diagnose in Frage zu stellen. Ein Beitrag aus volkswirtschaftlicher und/oder sozialpsychologischer Perspektive wäre indes wohl fruchtbarer gewesen als die doch etwas wirklichkeitsfernen systemtheoretischen Überlegungen des Soziologen Hondrich.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Karl Otto Hondrich: Weniger sind mehr. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27731-weniger-sind-mehr_32564, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32564 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA