/ 21.06.2013
Helga Grebing
Willy Brandt. Der andere Deutsche
München: Wilhelm Fink Verlag 2008; 182 S.; kart., 19,90 €; ISBN 978-3-7705-4710-4Grebing ist zweifelsohne eine der besten Kennerinnen der deutschen Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie. Bewegung wie Partei wurden von ihr über Jahrzehnte kritisch begleitet und erforscht. Als Historikerin hat sie einschlägige Werke zu deren Geschichte und Gegenwart vorgelegt. In diese Reihe passt auch die Biografie des großen deutschen Sozialdemokraten Willy Brandt. Grebing macht gleich zu Beginn ihrer Annäherung keinen Hehl daraus, dass es sich um eine eng mit der eigenen Lebensgeschichte ve...
Helga Grebing
Willy Brandt. Der andere Deutsche
München: Wilhelm Fink Verlag 2008; 182 S.; kart., 19,90 €; ISBN 978-3-7705-4710-4Grebing ist zweifelsohne eine der besten Kennerinnen der deutschen Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie. Bewegung wie Partei wurden von ihr über Jahrzehnte kritisch begleitet und erforscht. Als Historikerin hat sie einschlägige Werke zu deren Geschichte und Gegenwart vorgelegt. In diese Reihe passt auch die Biografie des großen deutschen Sozialdemokraten Willy Brandt. Grebing macht gleich zu Beginn ihrer Annäherung keinen Hehl daraus, dass es sich um eine eng mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpfte und vielleicht gerade deshalb unvollständige Auseinandersetzung handelt. „Ich bin ihm begegnet, aber ich würde mir niemals anmaßen, ihn, wie auch immer begründet, gut zu kennen. Deshalb wird dieses Buch auch nur der Versuch sein können, ihn immer besser kennen zu lernen, sicher jedoch noch immer nicht gut genug.“ (7) Am Ende des Buches haben wir allerdings alle einen informierten Einblick in das ebenso aufregende wie aufreibende, eng mit der deutschen Geschichte verbundene Leben des charismatischen Sozialdemokraten bekommen. Es ist das Leben eines „anderen Deutschen“, wie es Grebing formuliert, der trotz der eigenen Verfolgungsgeschichte durch die Deutschen mit den Deutschen mehr Demokratie wagen wollte und durch sein Wirken einen spürbaren Modernisierungsschub ausgelöst hat, somit Deutschland mit aus der selbst verschuldeten Isolation geführt hat. Grebings Beobachtung aus der Nähe, ihre teilnehmende Beobachtung, macht das Buch so lesenswert und bringt uns diesen bedeutenden SPD-Politiker in all seiner Komplexität näher. Wir lernen ihn kennen, wir verstehen ihn auch in seiner nach wie vor großen Bedeutung für die Gegenwart. Denn „nichts von dem, was Willy Brandt, der andere Deutsche, dachte und einforderte, [ist] überholt, erledigt und könnte dem Vergessen anheim fallen“ (149). Abgerundet wird die Biografie durch einen reichhaltigen Anmerkungsapparat, ein Glossar mit zentralen Begriffen und Organisationen sowie durch Kurzbiografien wichtiger Wegbegleiter und Lebensdaten Willy Brandts.
Rainer Benthin (RB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3
Empfohlene Zitierweise: Rainer Benthin, Rezension zu: Helga Grebing: Willy Brandt. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29576-willy-brandt_35013, veröffentlicht am 16.07.2009.
Buch-Nr.: 35013
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Soziologie, Universität Jena.
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