/ 18.06.2013
Lukonde Luansi
Angola: Zwischen regionaler Hegemonie und nationalem Selbstmord. Die Suche nach einer Lösung
Marburg: Tectum Verlag 2001; 411 S.; 25,90 €; ISBN 3-8288-8255-2Diss.; Gutachter: M. Schmitz. - Seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1975 hat Angola keine anhaltende Friedensperiode erlebt. In der Analyse konzentriert sich Luansi insbesondere auf den Versuch des politischen Transitionsprozesses in den Jahren 1990 bis 1992. Um die damit verbundenen Hoffnungen und das Scheitern der Transition adäquat interpretieren zu können, erläutert der Autor eingehend die historische Entwicklung Angolas, seine ethnischen Gruppen, die Auswirkungen der Kolonialisierung durch Portugal sowie den gewaltsamen Unabhängigkeitskrieg. Nach der Unabhängigkeit kam die marxistisch-leninistisch orientierte Unabhängigkeitsbewegung MPLA an die Macht, die sich fortwährend mit der oppositionellen UNITA in bürgerkriegerischen Auseinandersetzungen befand. Angola war von 1975 bis 1990 Schauplatz sowjetisch/kubanischer und US-amerikanischer Interessenkonflikte. Mit dem Wegfall des Ost-West-Konflikts setzten sich auch in Angola Hoffnungen auf Frieden und Demokratisierung durch, die 1991 mit der Ratifizierung des Friedensvertrages zwischen der MPLA und der UNITA ihre vorübergehende Realisierung fanden. Nach Ansicht des Autors erwiesen sich der Friedensvertrag und der damit einhergehende Transitionsprozess als unzulänglich. „Die Kritiker plädierten zurecht für eine der Realität angepasste und behutsame Transitionsphase, um die aufgrund der Konfliktdauer und Konfliktinhalte entstandenen geistigen, moralischen und materiellen Wunden unter den Beteiligten zu heilen." (236) Die im Friedensvertrag vorgesehenen und durchgeführten freien Wahlen gingen zugunsten der MPLA aus. Die UNITA wertete die bisweilen nicht ganz fair verlaufenen Wahlen als glatten Wahlbetrug und als Legitimation, den bewaffneten Kampf wieder aufzunehmen, was Angola in den bisher blutigsten Bürgerkrieg stürzte. Der Autor verdeutlicht abschließend, dass auch alle darauf folgenden Friedensbemühungen nicht zu einer nachhaltig stabilen Situation in Angola geführt haben.
Sven Wagener (SWA)
Dipl.-Politologe, M. E. S.
Rubrizierung: 2.67 | 2.25 | 4.22 | 4.41 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Sven Wagener, Rezension zu: Lukonde Luansi: Angola: Zwischen regionaler Hegemonie und nationalem Selbstmord. Marburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18538-angola-zwischen-regionaler-hegemonie-und-nationalem-selbstmord_21485, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21485
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Dipl.-Politologe, M. E. S.
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