/ 11.06.2013
Sigmar Stopinski
Das Baltikum im Patt der Mächte. Zur Entstehung Estlands, Lettlands und Litauens im Gefolge des Ersten Weltkriegs
Berlin: Berlin Verlag Arno Spitz GmbH 1997 (Nordeuropäische Studien 11); 276 S.; kart., 68,- DM; ISBN 3-87061-591-5Diss. FU Berlin. - Die baltischen Staaten sind seit jeher nicht nur vernachlässigte Mitglieder der Staatenfamilie, sie waren auch immer schon Stiefkinder der deutschen Außenpolitik. Dies hat sich bis zum heutigen Tag, trotz einer durchaus positiven deutschen Einstellung zu ihrer Unabhängigkeit, nicht wesentlich geändert. Stopinski beschäftigt sich mit einem historischen Thema, das aber durchaus Implikationen für heute hat: Er analysiert die erste Staatsgründung auf dem Baltikum in der Zeit von 1918-20. Seine Hauptthese erklärt die Entstehung der baltischen Staaten mit einem Patt der Mächte. Die militärische Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg setzte ihren Plänen, die baltischen Staaten mittelfristig an Deutschland oder Preußen anzugliedern, ein Ende. Die Russen wiederum schafften es nicht, sich das Baltikum militärisch einzuverleiben. Da sich keine Macht gegen die anderen dauerhaft durchsetzen konnte, erreichten Estland, Litauen und Lettland letztendlich die Selbständigkeit. Bei der zweiten baltischen Staatsgründung 1990/91 war es ähnlich: Die Balten nutzten das Machtvakuum der zerfallenden Sowjetunion, um ihre Unabhängigkeit zu erlangen. Stopinski zieht daraus folgendes Fazit: "Generell ist festzuhalten, daß kleine Staaten nur eine Chance auf staatliche Selbständigkeit haben, wenn größere Staaten nicht in der Lage sind, die Entscheidungen über Krieg und Frieden zu fällen." (260)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Sigmar Stopinski: Das Baltikum im Patt der Mächte. Berlin: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11225-das-baltikum-im-patt-der-maechte_13290, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13290
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M. A., Politikwissenschaftler.
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