/ 21.06.2013
Jochen Hippler
Das gefährlichste Land der Welt? Pakistan zwischen Militärherrschaft, Extremismus und Demokratie
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2008 (KiWi Paperback 1052); 293 S.; 9,95 €; ISBN 978-3-462-04011-1„Pakistan steht heute am Scheideweg, entweder die historische Chance zur Überwindung seiner Dauerkrise zu ergreifen, oder weiter eine Geisel unfähiger und korrupter Politiker zu bleiben“ (275), schreibt der Politikwissenschaftler Hippler. In seiner Bestandsaufnahme erscheint Pakistan als ein noch nicht endgültig gescheiterter Staat. Hipplers Urteil basiert auf zahlreichen Reisen in das Land, bei denen er Interviews mit den unterschiedlichsten Akteuren führte. So gelingt ihm die differenzierte Darstellung einer Gesellschaft, in der die Mehrheit der Bürger die Religion nach wie vor als Privatangelegenheit betrachtet. Die pakistanische Politik werde nicht primär von einem Grundkonflikt säkularer und religiöser Kräfte bestimmt, schreibt er, religiöse Parteien blieben bei Wahlen meist erfolglos. Der religiöse Diskurs und die religiösen Gesetze würden vielmehr „häufig von opportunistischen säkularen Politikern und Regierungen durchgesetzt“ (260) – Religion als Mittel zum Zweck. Zudem seien die säkularen Kräfte meist weniger demokratisch als es zu wünschen wäre. Dies erklärt zu einem wesentlichen Teil sicher auch die Defizite Pakistans, zu denen eine vor allem seit 2002 verschlechterte Lage der Menschenrechte sowie die Diskriminierung der Frauen zählen. Hippler erläutert auch die verschiedenen gewaltsamen Konflikte und stellt fest, dass Selbstmordattentäter eine neue Erscheinung seien, die sich nicht aus dem Islam heraus erklären lasse, sondern vor dem Hintergrund der (als bedrohlich empfundenen) Auflösung traditioneller Strukturen zu sehen sei. Trotz aller Konflikte und Probleme aber sei der Kernbereich des Staates, das Militär, zwar politisch geschwächt, „aber weiter institutionell intakt und funktionsfähig“ (268). Es komme jetzt wesentlich darauf an, den Machtanspruch der Militärs zurückzudrängen sowie Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren. Erste ermutigende Entwicklungen seien zu beobachten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jochen Hippler: Das gefährlichste Land der Welt? Köln: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29695-das-gefaehrlichste-land-der-welt_35168, veröffentlicht am 28.10.2008.
Buch-Nr.: 35168
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