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/ 21.06.2013
Wilhelm Dietl

Deckname Dali. Ein BND-Agent packt aus

Frankfurt a. M.: Eichborn 2007; 229 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-8218-5670-4
Nach 13 Jahren der Verschwiegenheit über seine berufliche Tätigkeit entschied sich der ehemalige Agent des Bundesnachrichtendienstes (BND) Dietl, sein Schweigen zu brechen und in einem Buch Bilanz über seine Tätigkeit zu ziehen. Unter dem Decknamen „Dali“ arbeitete er zwischen 1982 und 1993 für den BND. Vor dieser Zeit war Dietl als Journalist vornehmlich im Ausland tätig. Ein Buchprojekt über die Moslembruderschaft führte ihn nach Syrien, wo 1982 in der Stadt Hama ein Aufstand gegen das Assad-Regime durch das Militär gewaltsam beendet wurde. Dietls Engagement in der Region und seine Kenntnisse über die dortige politische Lage weckten das Interesse des BND, woraufhin es zur Zusammenarbeit kam. Für den BND war er in der folgenden Zeit für die Aufklärung des Nahen und Mittleren Ostens zuständig. Trotz der Parallelen, die hinsichtlich der Recherchetätigkeit zwischen dem Beruf des Journalisten und dem eines Mitarbeiters des Bundesnachrichtendienstes existierten, habe er jedoch stets die Grenzen zwischen beiden Bereichen respektiert und sei nie in Konflikt geraten, vertrauliche Informationen anderweitig zu verwenden. Zu seinem Ausscheiden aus dem BND sei es gekommen, als er im Zusammenhang mit der Befreiung deutscher Geiseln im Libanon Anfang der neunziger Jahre Kritik am damaligen Staatsminister Bernd Schmidbauer geübt habe. An das Schweigegebot über seine von da an vergangene Tätigkeit beim BND habe er sich gehalten, solange er seinerseits durch den BND in seiner Rolle als ehemaliger Mitarbeiter angemessen behandelt wurde. Nachdem jedoch der BND ihn 2006 bewusst enttarnt habe, habe er sich nicht länger an diese Zusage gebunden gefühlt. Dietl berichtet sehr anschaulich über seinen Alltag als Agent im Nahen und Mittleren Osten. Dabei kritisiert er offen den Umgang des BND mit seinen Mitarbeitern, wie er ihn selbst erfahren hat. Der Leser bekommt einen Einblick in die weit verzweigten Netzwerke der Geheimdienste und erhält ausführliche Hintergrundinformationen zu den politischen Geschehnissen, die die Arbeit Dietls bestimmten.
Maren A. Kreutler (geb. Becker) (MAB)
M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.212.324 Empfohlene Zitierweise: Maren A. Kreutler (geb. Becker), Rezension zu: Wilhelm Dietl: Deckname Dali. Frankfurt a. M.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27818-deckname-dali_32667, veröffentlicht am 01.04.2008. Buch-Nr.: 32667 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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