/ 22.06.2013

Dambisa Moyo (Hrsg.)
Der Untergang des Westens. Haben wir eine Chance in der neuen Wirtschaftsordnung? Aus dem Englischen von Hans Freundl und Heike Schlatterer
München/Zürich: Piper 2010; 304 S.; geb., 22,99 €; ISBN 978-3-492-05376-1Untergangsszenarien „des Westens“ erfreuen sich einer gewissen Beliebtheit. Eine weitere Verfallsgeschichte liegt mit dem Buch von Moyo vor. Für die Ökonomin stellen die vergangenen 50 Jahre der westlichen Gesellschaft einen Niedergang dar, der in der derzeitigen Finanzkrise gipfelte, damit jedoch noch nicht abgeschlossen sei, sondern sich fortführen werde, wenn der Westen nicht unverzüglich Gegenmaßnahmen ergreife. Dieser schleichende Prozess bewirke einen Zustand, in dem die wirtschaftliche, militärische und politische Dominanz des Westens auf dem Spiel stehe. Moyo identifiziert drei Gründe für diesen Verlust der westlichen Vormachtstellung in der Welt: Erstens hätten es die westlichen Staaten, allen voran die USA, nicht geschafft, ein konstruktives Verhältnis zu den aufstrebenden Ländern herzustellen, sondern diese mit ihrer Politik gegen sich aufgebracht. Zweitens sei die Welt zusammengerückt und in dieser Folge hätten die Schwellenländer von einem Technologietransfer profitiert. Drittens, und dieser Punkt steht im Zentrum der Analyse, sei der Machtverlust des Westens durch eine fehlerhafte Wirtschaftspolitik in den vergangenen fünf Jahrzehnten ausgelöst worden. Dieser Aspekt ist für Moyo entscheidend, denn mit dem Verlust der Wirtschaftskraft eröffne sich eine Einfallstür für die aufstrebenden Länder, sich in die inneren Angelegenheiten der westlichen Länder einzumischen. Das Ende des ökonomischen Wachstums habe damit unmittelbare politische und geopolitische Folgen. Moyo beschreibt den Niedergang der Wirtschaftskraft des Westens, für den sie politische Fehlanreize und die hohe Verschuldung als zentrale Gründe hervorhebt. Entsprechend müsste die Staatsverschuldung reduziert werden und das Steuersystem das Sparen statt das Konsumieren fördern. Würden in den nächsten zehn Jahren nicht diese und einige andere „drastische politische Maßnahmen ergriffen werden, wird nicht nur die Kontrolle über Besitz und Ressourcen schon bald an China, Indien, Russland oder die arabischen Länder übergehen. Der Niedergang der westlichen Industrieländer wird dann unausweichlich sein.“ (12)
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Dambisa Moyo (Hrsg.): Der Untergang des Westens. München/Zürich: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32194-der-untergang-des-westens_38401, veröffentlicht am 16.05.2012. Buch-Nr.: 38401 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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