/ 04.06.2013
Keneth Angst (Hrsg.)
Der Zweite Weltkrieg und die Schweiz. Reden und Analysen
Zürich: Neue Zürcher Zeitung 1998; 143 S.; 2. Aufl.; brosch., 35,- DM; ISBN 3-85823-729-9Die Diskussion über die Rolle der Schweiz während der Zeit des Nationalsozialismus setzte unmittelbar nach Kriegsende ein, verstummte aber nach Beginn des Kalten Krieges und flammte 50 Jahre nach Kriegsende erneut auf. Erinnert sei an den Eizenstat-Bericht der Regierung Clinton über das von den Nazis geraubte Gold und die alliierten Bemühungen um die Rückgabe. Der vorliegende Sammelband, dessen 1. Auflage 1997 erschienen ist, enthält zwei Reden von historischer Bedeutung: die des Bundespräsidenten Villiger anläßlich der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Kriegsendes in Europa der Vereinigten Bundesversammlung im Mai 1995 sowie die des Bundespräsidenten Koller im März 1997. Letzterer kündigte die Schaffung der "Schweizerischen Stiftung für Solidarität" an, die dazu beitragen soll, schwere menschliche Not im In- und Ausland zu lindern (31). Eingeleitet wird der Band durch einen Beitrag des Chefredakteurs der Neuen Zürcher Zeitung (Bütler). Der bereits 1946 verfaßte und 1947 veröffentlichte Text des früheren Chefs der Zentralstelle für Kriegswirtschaft Schaffner "umschreibt aus erster Hand die schwierigen Aufgaben der Aussenhandelspolitik in Kriegszeiten" (33). Den Beiträgen sind kurze Erläuterungen über den jeweiligen Entstehungszusammenhang sowie eine Zusammenfassung der zentralen Aussage vorangestellt. Insgesamt wird das Bemühen erkennbar, um Verständnis für das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg zu werben.
Inhalt: Hugo Bütler: Schweizer Vergangenheit auf dem Prüfstand (7-13); Kaspar Villiger: Auch die Schweiz hat Schuld auf sich geladen. 50 Jahre danach - Dankbarkeit, Respekt, Nachdenklichkeit (15-22); Arnold Koller: Wir brauchen uns nicht zu schämen. Notwendige Bekräftigung der humanitären Tradition (23-32); Hans Schaffner: Die Aussenhandelspolitik der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Erfolgreicher Durchhaltekampf eines verflochtenen Landes (33-45); Klaus Urner: Neutralität und Wirtschaftskrieg. Wie die Abschnürung durch Blockade und Gegenblockade verhindert wurde (47-86); Hans Senn: Die Schweizer Armee stand bereit. Gründe für den Verzicht auf die vorbereitete "Operation Schweiz" (87-98); Dietrich Schindler: Umstrittene Neutralität. Anerkennung und Kritik in der Kriegs- und Nachkriegszeit (99-106); Hugo Bütler: Neutrale Schweiz - humanitäre Schweiz. Ein Widerspruch? (107-110); Walther Hofer: Wer hat wann den Zweiten Weltkrieg verlängert? Kritisches zur merkwürdigen These einer Kriegsverlängerung durch die Schweiz (111-118); Thomas Maissen: Die Schweiz und die nationalsozialistische Hinterlassenschaft. Anlass, Phasen und Analyse einer neu entflammten Debatte (119-142).
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Keneth Angst (Hrsg.): Der Zweite Weltkrieg und die Schweiz. Zürich: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6364-der-zweite-weltkrieg-und-die-schweiz_8659, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 8659
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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