/ 17.06.2013
Emmerich Tálos / Bernhard Kittel
Gesetzgebung in Österreich. Netzwerke, Akteure und Interaktionen in politischen Entscheidungsprozessen
Wien: WUV-Universitätsverlag 2001; 268 S.; brosch., 22,- €; ISBN 3-85114-621-2Tálos und Kittel setzen der allgemeinen Betrachtungsweise Österreichs als korporatistisches System zwei Thesen entgegen, die sie anschließend anhand der Analyse der Entscheidungsprozesse in wesentlichen Politikfeldern prüfen: Die erste These besagt, dass "zu keiner Zeit in der Zweiten Republik von einem umfassenden Einfluß der Verbände auf politische Entscheidungen im Sinne einer Verlagerung der realen Entscheidungen in das sozialpartnerschaftliche Muster zu sprechen ist" (11 f.). Dies sei nur in den von der Konfliktlinie Arbeit/Kapitel geprägten Politikfeldern der Fall, und auch dort - so die zweite These - sei nur "eingeschränkt von einer Verlagerung des Entscheidungszentrums zu sprechen", es sei die Regierung, die "Freiheitsgrade" dazu gewinne (12). Basierend auf der Vorarbeit zahlreicher - bisher zumeist unveröffentlichter - Forschungsarbeiten werden für jedes ausgewählte Politikfeld "typische" sowie "abweichende" Fälle von Gesetzgebungsverfahren stichwortartig bzw. tabellarisch präsentiert. Vorangestellt ist jeweils eine kurze Darstellung der wesentlichen Akteure sowie notwendiger Hintergrundinformationen und Rahmenbedingungen des Politikfelds. Die Autoren greifen bei ihrer Analyse sowohl auf Überlegungen aus der Netzwerkanalyse als auch auf den akteurzentrierten Institutionalismus zurück.
Aus dem Inhalt: 2. Der Entstehungsprozeß eines Gesetzes; 3. Akteure: 3.1 Parteien; 3.2 Regierung und Verwaltung; 3.3 Verfassungsgerichtsbarkeit; 3.4 Länder; 3.5 Interessenorganisationen: Kammern und Verbände. 4. Politische Entscheidungsprozesse in Politikfeldern. Fallbeispiele und Rekonstruktionen: 4.1 Sozialpolitik; 4.2 Wirtschaftspolitik; 4.3 Bildung: Schule, Berufsausbildung, Universität; 4.4 Umweltpolitik; 4.5 Ausgewählte Entscheidungsprozesse in der Justizpolitik, Sicherheitspolitik und Medien- und Kommunikationspolitik. 5. Gesetzgebung in Österreich: Befunde und Implikationen: 5.1 Der rechtlich-formale und realpolitische Rahmen der Gesetzgebung; 5.2 Mythos Sozialpartnerschaft und die Pluriformität von Politiknetzwerken, Akteurkonstellationen und Interaktionsmodi der Verbändemitwirkung; 5.3 Programmtypen und Interaktionsmodi.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.4 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Emmerich Tálos / Bernhard Kittel: Gesetzgebung in Österreich. Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15862-gesetzgebung-in-oesterreich_18115, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18115
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
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