/ 17.06.2013
Eugen Drewermann
Krieg ist Krankheit, keine Lösung. Eine neue Basis für den Frieden. Im Gespräch mit Jürgen Hoeren
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2002; 190 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-451-27857-XEine differenzierte begriffliche Auseinandersetzung mit dem Wandel der Begriffe Krieg, Terror, Pazifismus aus der Sicht eines namhaften Theologen wäre in Zeiten der Neudefinition "gerechter Kriege" sicher eine wichtige Stimme in der öffentlichen Meinungsbildung. Drewermann liefert jedoch weder eine theoretisch noch eine moralisch konsequent begründete Auseinandersetzung mit dem 11. September 2001 und seinen Folgen, noch viel weniger eine faktische Analyse. Hingegen holt er zu einem publizistischen Rundumschlag aus, indem er den Terroranschlägen der unterdrückten Völker dieser Welt den "Staatsterror" (11) der USA und Israels gegenüberstellt. Der Autor erhebt von einer Seite zur nächsten ungeheuerliche Vorwürfe von der Anwendung der Folter innerhalb der israelischen Polizei und in den USA, über die militärischen Terrorinstrumente des Vietnam- und des Kosovokrieges bis hin zur Beschuldigung der Briten und Amerikaner, durch ihr Handelsembargo, das den Hungertod von über einer Million Menschen zu verantworten habe, "einen sinnlosen Genozid" (18) am irakischen Volk verübt zu haben. Statt auch nur eines Ansatzes einer Konfliktanalyse oder eines Beleges seiner Beschuldigungen präsentiert Drewermann darüber hinaus schlichtweg falsche Behauptungen. So seien etwa die 130 nach geltendem Recht zum Tode verurteilten und unter Gouverneur Bush jun. hingerichteten Verbrecher "in die Gaskammern geschickt" worden und "letztlich aus einer populistischen Motivation: um Präsident der USA zu werden" (20). In einem gesonderten Kapitel zum Nahost-Konflikt hat der Autor auch hierzu einige Absätze und natürlich einen Friedensplan beizutragen. Ähnlich wie die Hungerkatastrophen in Afrika durch eine Bewässerung der Sahara mit Meerwasser-Entsalzungsanlagen statt amerikanischen Flugzeugträgern abzuwenden seien, müsse auch der Streit um das Heilige Land endlich zügig durch "den Aufbau des weitgehend verkarsteten, völlig entwaldeten Landes" der Palästinenser "ebenfalls mit Meerwasserentsalzung" gelöst werden (74). Es handelt sich bei dem Band leider nicht um eine politische Satire. Anscheinend wird dem Autor nicht einmal der tiefe Zynismus bewusst, der in historischen Vergleichen und sprachlichen Bildern wie den folgenden stecken: "Ob Stalin, Hitler oder Bin Laden - wir werden immer wieder glauben, dass nur der Krieg uns helfen könnte. Aber er hilft uns stets nur aus der Pfanne in den Ofen." (8) Es fällt schwer, bei diesem Bild nicht auch an andere Öfen zu denken.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 4.41
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Eugen Drewermann: Krieg ist Krankheit, keine Lösung. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16565-krieg-ist-krankheit-keine-loesung_19026, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19026
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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