/ 21.06.2013
Jörg Becker / Mira Beham
Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006; 130 S.; brosch., 17,90 €; ISBN 978-3-8329-1900-9Der Foreign Agents Registration Act sieht vor, dass für ausländische Regierungen tätige PR-Agenturen ihre Aktivitäten dem US-Justizministerium offen legen müssen – eine weltweit einzigartige Gesetzgebung, die es den Autoren ermöglichte, zumindest die Spitze eines Eisberges zu erfassen: Sie werteten 157 Halbjahresverträge zwischen ex-jugoslawischen Kunden und 31 PR-Agenturen sowie neun Einzelpersonen für den Zeitraum der Kriege im ehemaligen Jugoslawien von 1991 und 2002 aus, als deutscher Akteur taucht Moritz Hunzinger auf. Die Autoren decken in ihrer überaus spannenden Analyse eine Privatisierung von Kriegspropaganda und Kriegsführung (durch zusätzlich zu den PR-Agenturen agierende privatwirtschaftliche Militärfirmen) auf, die jedes demokratisches System in höchste Alarmbereitschaft versetzen sollte. Becker und Beham belegen, wie die öffentliche Meinung professionell manipuliert wurde und zeigen, dass sogar Kriegsziele teilweise im Auftrag und gegen Bezahlung formuliert und durchgesetzt wurden – dazu zählt die Forderung nach einer Einrichtung eines UN-Protektorats in Kosova, eine Idee der PR-Agentur Ruder Finn. Den PR-Agenten, bei denen es sich u. a. um ehemalige Militär- und CIA-Angehörige handelt, bescheinigen die Autoren durchaus eine hohe Professionalität. Ihre Arbeit aber sei tödlich für die Demokratie und breche das Völkerrecht, das nach wie vor ein Verbot der Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes vorsehe. Außerdem sprechen ihrer Ansicht nach vielerlei Erfahrungen dafür, „dass der Wechsel von undemokratischen zu demokratischen Strukturen nur dann zu einem stabilen Systemwechsel führen kann, wenn die sozialen Kräfte, die diesen Wechsel erreichen wollen, endogener Natur sind“ (70). In diesem Zusammenhang werden auch die NGOs kritisiert, von denen wenige wirklich unabhängig seien, viele aber von Regierungen finanziert und nur zur Stabilisierung bestehender Herrschaft beitragen würden. In den USA selbst ist die Finanzierung von Parteien und Wahlkämpfen durch ausländische Kräfte strikt verboten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.41 | 2.61 | 4.22 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jörg Becker / Mira Beham: Operation Balkan: Werbung für Krieg und Tod Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27332-operation-balkan-werbung-fuer-krieg-und-tod_32004, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 32004
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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