/ 22.06.2013
Amnesty International (Hrsg.)
Report 2010. Zur weltweiten Lage der Menschenrechte
Frankfurt a. M.: S. Fischer 2010; 542 S.; 14,95 €; ISBN 978-3-10-000834-3Im Frühjahr 2009 wurden in Sri Lanka 300.000 Menschen auf einer schmalen Landzunge zwischen den sich zurückziehenden Kämpfern der tamilischen Separatisten und vorrückenden Einheiten des staatlichen Militärs eingeschlossen. Mindestens 7.000 Menschen starben, einige Quellen sprechen sogar von bis zu 20.000 Opfern. Claudion Cordone, der amtierende Generalsekretär von Amnesty International, klagt an, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trotz dringlicher Warnungen in diesem Fall nicht eingeschritten sei und eine Untersuchung der Vorgänge von der srilankischen Regierung weiterhin abgelehnt werde. Für Cordone steht dieser Fall beispielhaft für das häufig umfassende Versagen der Weltgemeinschaft bei der Aufklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Amnesty International setzt sich deshalb weltweit für die Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen und deren rechtliche Aufarbeitung ein. Der Menschenrechtsreport 2010 liefert eine nach Kontinenten gegliederte Bestandsaufnahme und gibt einen Überblick über die Situation in 159 Staaten weltweit. So werden in Bezug auf Afrika eine mangelnde öffentliche Sicherheit, die Diskriminierung und Unterdrückung Andersdenkender, der verbrecherische Abbau von Rohstoffen sowie die Zwangsräumung von Slums kritisiert. Darüber hinaus wird die fehlende Rechenschaftspflicht für Menschenrechtsverstöße seitens der Behörden und Strafverfolgungsorgane, Militärs und Unternehmen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent als ein gravierendes systembedingtes Problem angesehen. Die mangelnde Bereitschaft vieler afrikanischer Staaten, mit dem Internationalen Strafgerichtshof bei der Verhaftung des sudanesischen Staatspräsidenten Omar al-Bashier zusammenzuarbeiten, ist nach Ansicht von Amnesty International symptomatisch. Al-Bashier werden im Zusammenhang mit dem Konflikt in Darfur Mord, Völkermord, Zwangsumsiedlungen, Folter und Vergewaltigung zur Last gelegt.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.42 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Amnesty International (Hrsg.): Report 2010. Frankfurt a. M.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32521-report-2010_38811, veröffentlicht am 30.08.2010.
Buch-Nr.: 38811
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