/ 21.06.2013
Lisa Rüter
Say and let me say. Die Sicht von Kumasifo auf den Demokratisierungsprozess in Ghana
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2007 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XIX, Volkskunde/Ethnologie Abt. B Ethnologie72); 225 S.; brosch., 42,50 €; ISBN 978-3-631-56388-5Ethn. Diss. FU Berlin. – Während sich politikwissenschaftliche Forschungen über Demokratisierungsprozesse in Afrika auf Parteien, Wahlen und Institutionen beziehen und zumeist quantitativ ausgerichtet sind, geht es in dieser Arbeit um die Perspektive der Menschen im Demokratisierungsprozess. Denn, so der Ausgangspunkt, für die Konsolidierung der Demokratie sind nicht nur Verfahren und Institutionen wichtig, sondern ebenso „die Frage, ob politische Entscheidungen in den Augen der Teilnehmer legitim sind. Die Teilnehmer des Prozesses sollten sich [...] über die Ziele des Prozesses auseinandersetzen und sie mitbestimmen können.“ (23). Die Autorin hat Interviews mit unterschiedlichen Einwohnern von Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas und Hauptstadt der Region Asante, geführt und sie danach befragt, wie sie den Demokratisierungsprozess erleben und beurteilen, welche Wünsche und Vorstellungen sie haben. Kumasi gilt als eine lebendige, historisch verwurzelte Stadt und die politische Kultur der Asante hat die Politik des heutigen Ghanas stark beeinflusst. Als theoretische Grundlage dienen Rüter die Theorie des kommunikativen Handelns und die deliberative Demokratie von Habermas sowie verschiedene Ansätze über die Beziehungen zwischen Chieftaincy und Staat. Damit gelingt es der Autorin, die besondere Rolle der verfassungsmäßig garantierten Chiefs und Queens herauszuarbeiten. „Ihre Präsenz und Autorität stellen ein besonderes Merkmal des Demokratisierungsprozesses in Kumasi dar.“ (121) Der politische und gesellschaftliche Wandel in Ghana wird als ein pluralistischer, hybrider Demokratisierungsprozess charakterisiert, in dem sich „unterschiedliche Politik-Stile und Autoritäten verbinden und zusammenspielen, sich verschiedene Bereiche vermengen, so dass etwas Neues und Einzigartiges entsteht.“ (185) Rüter plädiert in Anlehnung an Habermas dafür, neue Formen der Demokratie zu wagen, „anstatt starr auf dem einmal im Westen entwickelten Modell zu verharren.“ (207)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.67 | 2.21 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Lisa Rüter: Say and let me say. Frankfurt a. M. u. a.: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28106-say-and-let-me-say_33044, veröffentlicht am 28.03.2008.
Buch-Nr.: 33044
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