/ 04.06.2013
Gülsün Firat
Sozioökonomischer Wandel und ethnische Identität in der kurdisch-alevitischen Region Dersim
Saarbrücken: Verlag für Entwicklungspolitik 1997 (Bielefelder Studien zur Entwicklungssoziologie 65); 250 S.; 44,- DM; ISBN 3-88156-690-2Diss. Bielefeld; Erstgutachter: G. Schlee. - Firat betrachtet das Problem der inneren Differenzierung der Kurden in verschiedene Sprach- und Religionsgemeinschaften. Er untersucht, welche ökonomischen und kulturellen Merkmale für die kurdisch-alevitische Gesellschaft in der Region Dersim charakteristisch sind. Die soziologische Fragestellung, inwieweit die kulturhistorischen und ethnopolitischen Entwicklungen in diesem Gebiet langfristig einen Einfluß auf die ethnischen und religiösen Identitäten der Bevölkerung ausüben, mündet in die zentrale Frage, welche Identitäten in der Bevölkerung heute Priorität genießen.
Als theoretisches Gerüst dient die Ethnizitätsforschung nach Barth und Weber, die in der Studie ihre Bestätigung findet: Das ethnische Selbstverständnis in der untersuchten Region ist nicht an eine gemeinsame Sprache oder Religion gebunden, sondern entsteht in Wechselwirkung mit verschiedenen - als gemeinsam betrachteten - sozialen und kulturellen Wertgefügen.
Derzeit ist, ausgelöst durch politische Repressionen der türkischen Zentralregierung und die damit verbundenen Migrations- und Verelendungsprozesse, eine verstärkte Solidarisierung innerhalb der kurdischen Gruppen und eine Verhärtung der Außengrenzen zu verzeichnen.
Christoph Emminghaus (cem)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.63 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Christoph Emminghaus, Rezension zu: Gülsün Firat: Sozioökonomischer Wandel und ethnische Identität in der kurdisch-alevitischen Region Dersim Saarbrücken: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/3669-soziooekonomischer-wandel-und-ethnische-identitaet-in-der-kurdisch-alevitischen-region-dersim_4884, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 4884
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Dr., Politikwissenschaftler.
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