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/ 20.06.2013
Jerzy Maćków

Totalitarismus und danach. Einführung in den Kommunismus und die postkommunistische Systemtransformation

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2005 (Extremismus und Demokratie 13); 168 S.; brosch., 24,- €; ISBN 3-8329-1486-2
Die Totalitarismus-Theorie sei in der Analyse des Kommunismus nicht gescheitert – im Gegensatz zum Modernisierungskonzept (da der Kommunismus nur ein pathologischer Modernisierungsweg gewesen sei) oder zu den marxistischen Theorien, die durch den Untergang der sozialistischen Systeme im östlichen Europa ihre staatliche Infrastruktur verloren hätten. Maćków, Professor für Vergleichende Regierungslehre in Regensburg, erscheint es daher nicht plausibel, dass die Totalitarismus-Theorie bei der Deutung der postkommunistischen Systemtransformation nur eine marginale Rolle spielt. Das Erklärungspotenzial dieser Theorie basiert auf der These des Autors, dass nur der kommunistische Herrschaftsbereich als totalitär zu bezeichnen ist. Für einen Vergleich zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus sei die empirische Basis sehr schmal, so die Begründung, außerdem habe der Nationalsozialismus nie die „totalitäre Reife“ (39) des sowjetischen Kommunismus erreicht – ein Argument, dass z. B. mit Blick auf die Unterwerfung ehemaliger Führungsmitglieder in den Moskauer Schauprozessen plausibel erscheint. Maćków geht allerdings davon aus, dass der perfekte totalitäre Staat in Anlehnung an Arthur Koestler auf lückenloser Überwachung und dosiertem Terror basiert und verwirft die Orwell’sche Erklärung, die auf einem ideologischen Glauben fußt. Hätte der Autor zwischen dem Glauben der Eliten und der terrorisierten Bevölkerung unterschieden, wäre dies schlüssiger gewesen. Überzeugend beschrieben wird die „Atomisierung und Entpolitisierung der Untertanen“ (57) im Kommunismus sowie das Verschwinden der Grenze zwischen politischem System und Gesellschaftsordnung. Als Gegenmodell zum totalitären System benennt Maćków den Pluralismus und weist damit der Gesellschaft eine wichtige Rolle für das Verständnis von Wandel und Niedergang des Kommunismus zu. Für die Entstehung posttotalitärer, pluralistischer Demokratien maßgeblich ist demnach der Aufbau eines funktionierenden Verfassungs- und Rechtsstaates, in dessen Rahmen sich die Gesellschaft bewegen kann.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.252.22.222.622.61 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jerzy Maćków: Totalitarismus und danach. Baden-Baden: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24619-totalitarismus-und-danach_28437, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28437 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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