/ 20.06.2013
Wolfram Spelten
WTO und nationale Sozialordnungen. Ethische, ökonomische und institutionelle Dimensionen der Integration einer Sozialklausel in das Welthandelsrecht
Berlin: Duncker & Humblot 2005 (Rechtsfragen der Globalisierung 11); 376 S.; 89,80 €; ISBN 3-428-11745-XRechtswiss. Diss. Freiburg; Gutachter: A. Vosskuhle. – Eine sehr umstrittene Frage des Welthandelsrechts besteht darin, ob harte Arbeitsbedingungen oder die Missachtung fundamentaler Menschenrechte im Produktionsprozess einer Ware handelsrechtlich bestraft werden dürfen. Ist also eine Integration von Sozialstandards in das Recht der Welthandelsorganisation WTO zu befürworten? Diese Frage legt Spelten klar und systematisch in ihrer Vielschichtigkeit dar und gibt auf sie eine vielschichtige Antwort. Denn neben ökonomischen und entwicklungspolitischen Aspekten berührt sie das völkerrechtliche Problem, dass handelsrechtliche Sozialklauseln tief in die Souveränität von Staaten eingreifen und ihnen von außen wirtschafts- und sozialpolitische Regeln auferlegen. Hinter der Forderung nach Sozialstandards im Welthandel steht außerdem nicht selten das protektionistische Interesse westlicher Politiker und Gewerkschafter, sich vor der Konkurrenz aus „Billiglohnländern“ zu schützen und deren Wettbewerbsvorteil damit auszumerzen. In der vorliegenden, auch interdisziplinär vorgehenden Literatur bemängelt Spelten einen Hang zur unsystematischen und tendenziösen Vermischung der Disziplinen. In seinem interdisziplinären Ansatz hingegen trennt er systematisch verschiedene Ebenen der Frage nach Sozialstandards. Je nach Ziel dieser Standards unterscheidet er zwischen ethisch motivierten, ökonomisch interessierten und staatsrechtlichen Argumenten zu Sozialstandards. Die ethische Argumentation, die der entwicklungspolitischen Idee des Helfens entspringt, sieht er dabei als ethisch gerechtfertigt an, während er die ökonomische Erwartung, mittels Sozialstandards ließen sich Globalisierungsfolgen abfedern, für ökonomisch falsch erachtet. Der Schwerpunkt der Analyse, die rechtlich-institutionelle Seite handelsrechtlicher Sozialklauseln, ergibt für Spelten die Notwendigkeit eines Schutzes staatlicher Souveränität durch völkerrechtliche Vorkehrungen.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.3 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Wolfram Spelten: WTO und nationale Sozialordnungen. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24454-wto-und-nationale-sozialordnungen_28239, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 28239
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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