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Die Kalaschnikows der Lüfte – Drohnenkriegsführung im Ukraine-Krieg

Der Ukrainekrieg katalysiert Innovationen bei der Drohnenkriegführung in einem Maße, das besondere Betrachtung verdiene, mahnt Markus Reisner. Einst von den USA für Terrorismusbekämpfung und Counterinsurgency eingesetzt – und umstritten –, hätten sich Sorgen um die Proliferation dieser technischen Fähigkeiten und ihrer Anwendung als Mittel irregulärer Kriegführung seitens staatlicher wie nicht-staatlicher Akteure inzwischen realisiert, wie der Aufstieg Irans zur Drohnensupermacht und dessen regionale Proxys, siehe die Huthis, belegten. Unbemannte Waffensysteme, so Reisners Fazit, seien inzwischen Mittel moderner Kriegführung, mit all den ihnen eigenen Bedrohungspotentialen als Waffenträgersystem. Für NATO-Streitkräfte bedeute dies, bei der Entwicklung von Gegenmaßnahmen nicht ins Hintertreffen geraten zu dürfen. 

Russland, Ukraine, Krieg, Sirius, Ukrainekrise, strategische Konkurrenz, Außen- und Sicherheitspolitik

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Michael Hüthner, Melinda Fremerey und Simon Gerards Iglesias: Gegen die Weltordnung. Russlands Sonderweg und sein ökonomischer Preis

Baden-Baden, Nomos 2023

Welche wirtschaftlichen Folgen haben der Krieg gegen die Ukraine und die Sanktionen für Russland? Aufbauend auf einer historischen Einbettung kommen die Ökonom*innen Hüthner, Fremerey und Gerards zu dem Ergebnis, dass Russland auch ökonomisch “seine Zukunft verspielt” habe. Alexander Libman, Ökonom und Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Russland, übt teils scharfe Kritik: Anstatt die russische Wirtschaft und Gesellschaft in ihrer Komplexität zu analysieren, ordne das Buch alle Fakten einer stark vereinfachten Großerzählung unter. Trotz interessanter empirischer Teile sei das Ergebnis daher eine „simple Story von Peter dem Großen bis hin zu Putin“, die ein deterministisches Bild der Entwicklung Russlands zeichne.

Russland, Krieg, Wirtschaftssanktionen, Demokratie und Frieden, Autokratie vs. Demokratie

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Wie man Russland schlagen kann – Lektionen aus dem Verteidigungskrieg der Ukrainer

Der Artikel analysiert die Ursachen für den weitgehend erfolgreichen Widerstand der Ukrainer gegen die russische Aggression. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg ist die umfassende Mitwirkung der Bevölkerung am bewaffneten Widerstand gegen die russische Invasion. Wichtig ist auch die Tatsache, dass die Ukraine eine sehr moderne datenbasierte Kampfführung betreibt, bei der Daten aus unterschiedlichen Quellen bezogen und verarbeitet werden, um diese zur Bekämpfung des russischen Militärs einzusetzen. Die ukrainischen Streitkräfte arbeiten zudem oft als dezentralisierte Netzwerke mit viel Führungsverantwortung auf unteren und mittleren Ebenen. Dies hat sich als enormer Vorteil erwiesen. In der Kriegführung hat es sich als sinnvoll herausgestellt, Angriffe auf Logistik, Führungseinrichtungen und Kommunikation des Gegners zu konzentrieren. Eine zentrale Rolle kommt im Ukraine-Krieg Drohnen zu, die massenweise im Einsatz sind. Beachtlich ist auch, dass die Ukrainer große Erfolge mit kleinsten Einheiten im Jagdkampf erzielen konnten. Zudem findet eine Renaissance der Artillerie statt, aber in erweiterter, fortgeschrittener Form. Ein weiterer Baustein des Erfolgs der Ukraine ist die komplexe und redundant strukturierte Logistik vor allem auf Schienen, die stabil auch unter Kriegsbedingungen funktioniert. Die Ukraine hat zudem ein hohes Maß an operativer Sicherheit herstellen können, welches wiederum die Voraussetzung für erfolgreiche Täuschungsoperationen war. Nicht zuletzt bietet die Ukraine ein exzellentes Beispiel dafür, wie man mit den richtigen Methoden

Russland, Ukraine, Krieg, Sirius, Ukrainekrise, strategische Konkurrenz, Außen- und Sicherheitspolitik

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James W. Peterson, Jacek Lubecki: Globalization, Nationalism and Imperialism. A New History of Eastern Europe

Budapest, Central European University Press 2023

Nicht weniger als “A New History of Eastern Europe” versprechen die Autoren dieser Monografie, in der sie mit ausgesuchten politikwissenschaftlichen Theorien zu neuen Perspektiven auf die Verkettungen von Globalisierung, Nationalismus und Imperialismus in der Region gelangen möchten. Ein Anspruch, der leider aus diversen Gründen – u. a. beklagt unsere Rezensentin ein Defizit an Differenzierungen, eine „zeitliche[n] Raffung von Ereignissen“ oder schwache Nachweisführung – untergehe: Es gelinge nicht, die gewählten Theorien nachvollziehbar mit den Kapitelinhalten zu verknüpfen, so die Buchkritik.

Globalisierung, Osteuropa, Nationalismus, Ostmitteleuropa, Demokratie und Frieden, Europa und EU

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Ulrich Menzel: Wendepunkte: Am Übergang zum autoritären Jahrhundert

Suhrkamp, Berlin 2023

Ulrich Menzel sieht die Welt in einer Phase des hegemonialen Übergangs „vom liberalen amerikanischen zum autoritären chinesischen Jahrhundert“. Diese Epoche sei durch die Anarchie der Staatenwelt sowie die Rückkehr des Autoritären und des Krieges in Europa geprägt. Rezensentin Tamara Ehs sieht in dem Buch eine „Collage des enormen Wissensfundus von Ulrich Menzel“, der die großen Diskussionen der letzten Jahrzehnte in einen zeitgenössischen Kontext setzt, um so die Wendepunkte einer Welt im Umbruch zu verstehen.

China, der Westen, liberale Weltordnung , Internationale Ordnung, Westen, USA, Außen- und Sicherheitspolitik

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Georg Wenzelburger, Reimut Zohlnhöfer: Handbuch Policy-Forschung

Mit der zweiten, überarbeiteten und erweiterten Auflage des „Handbuch[s] Policy-Forschung“ ist es den Herausgebern und Mitwirkenden gelungen, einen guten Überblick über das Profil eines Forschungsfeldes zu geben, resümiert unser Rezensent Thomas Mirbach. Dabei regt er an, die Entscheidung zu überdenken, ob die Fokussierung dieses Forschungsfeldes auf kausale Erklärungen bei Ausschluss von anwendungsbezogenen Perspektiven so beibehalten werden sollte und stellt die Frage in den Raum, ob die Policy-Forschung nicht auch eine Beratungsfunktion entfalten könnte.

Migrationspolitik, Policy-Analyse, Theorie-und-Praxis-Relation, Gesundheitspolitik, Politikberatung, Demokratie und Frieden, Fokus Politikwissenschaft

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James Ockey, Naimah S. Talib (Hrsg.): Democratic Recession, Autocratization, and Democratic Backlash in Southeast Asia

London, Palgrave Macmillan 2023

James Ockey und Naimah S. Talib analysieren in ihrem Sammelband sowohl die demokratische Rezession und Autokratisierung in Südostasien als auch die demokratischen Gegenreaktionen verschiedener politischer und zivilgesellschaftlicher Gruppen. Mit seinem umfassenden Rahmen und den darin versammelten innovativen Ansätzen leiste der Band einen wichtigen Beitrag zur Autokratisierungsliteratur, lobt unsere Rezensentin Carmen Wintergerst.

Autokratie, Demokratie, Entdemokratisierung, Südasien, Demokratie und Frieden, Autokratie vs. Demokratie

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Wendy Brown: Nihilistische Zeiten. Denken mit Max Weber

Die politische Theoretikerin Wendy Brown hat sich mit Max Weber einen sozialwissenschaftlichen Klassiker vorgenommen, den sie für die kritische Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft anschlussfähig macht, wie Thomas Mirbach in seiner Rezension darlegt. Insbesondere in Webers Konzeption des besonderen Verhältnisses der Sphären von Politik und Wissenschaft sehe Brown eine Inspirationsquelle zur Auseinandersetzung mit jenen nihilistischen Tendenzen, die sowohl zu Zeiten Webers als auch heute eine politische Herausforderung darstellen.

Soziologie, Macht, Politisierung, Weber, Max, moderne Demokratie, Wertesysteme, Demokratie und Frieden, Fokus Politikwissenschaft

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Den Eigensinn der Gegenwartsgesellschaft verstehen

Mit den vorliegenden Büchern sind zwei Gegenwartsdiagnosen erschienen, die gesellschaftliche Konfliktlinien und die Art und Weise ihrer Politisierung auf komplementäre Weise erfassen. Während die Autoren von „Triggerpunkte“ laut unserem Rezensenten Stefan Wallaschek eine gelungene empirische Vermessung vermeintlicher gesellschaftlicher Polarisierungen vornehmen, rekonstruiert Anton Jäger vor diesem Hintergrund überzeugend, wenn auch nicht ohne Mängel, unter dem Begriff „Hyperpolitik“ historisch die Entstehung einer desorganisierten und damit ineffektiven Politikform.

Populismus, Parteien, Polarisierung, Gesellschaft, Soziologie, Politisierung, Demokratie und Frieden, Liberales Versprechen, gesellschaftliche Konflikte

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Hendrik Cremer: Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen. Wie gefährlich die AfD wirklich ist.

Berlin, Berlin Verlag 2024

Die AfD sei eine rechtsextreme Partei, die sich durch offenen Rassismus, Gewaltbereitschaft und Bezugnahmen auf den Nationalsozialismus auszeichnet: Zu dieser Bewertung kommt der Jurist Hendrik Cremer in seinem Buch, das in Stil und Beweisführung beinahe einem Gerichtsurteil ähnele, so Rezensent Ansgar Drücker. Cremer arbeite auf Basis ihres Programms und öffentlicher Äußerungen ihrer führenden Politiker*innen akribisch und analytisch sauber heraus, dass die AfD nicht mehr auf dem Boden der Verfassung stehe.

AfD, Rechtsextremismus, Parteiendemokratie , Parteienverbot, Unter Druck, Repräsentation und Parlamentarismus

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Victor D. Cha, Ramon Pacheco Pardo: Korea. A New History of South and North

New Haven, Yale University Press 2023

Den Politikwissenschaftlern Victor D. Cha und Ramon Pacheco Pardo ist es laut unserem Rezensenten Max Lüggert gelungen, eine kompakte und zugleich umfassende Einführung in die Geschichte Koreas der letzten 150 Jahre zu geben. Dabei steht die seit den 1950ern bestehende Teilung des Landes im Vordergrund. Neben Unterschieden und Ähnlichkeiten der Entwicklung beider Koreas nehmen die Autoren auch das Potenzial einer Wiedervereinigung unter den heutigen geopolitischen Voraussetzungen in den Blick und geben einen Ausblick darauf, welche Hürden ein vereintes Korea zu überwinden hätte.

China, Russland, Krieg, USA, Nordkorea, Atomwaffen, Kim Jong-un, Südkorea, Internationale Ordnung, Westen, USA, Außen- und Sicherheitspolitik

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Demokratieversuche der Frauenbewegung im Iran

Mahsa Abdolzadeh

Demokratieversuche der Frauenbewegung im Iran. Eine historische Analyse mit Beispielen aus dem 20. Jahrhundert

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2014 (Gender Studies 28); 136 S.; 75,80 €; ISBN 978-3-8300-7837-1
Mahsa Abdolzadeh untersucht, inwieweit Frauen im Iran – einem Land, das permanent „zwischen islamischem Fundamentalismus und Modernisierung“ (9) schwebe – einen Beitrag zu Demokratisierung und Gleichberechtigung haben leisten können: „Der Fokus der Untersuchung richtet sich auf die Frauenbewegungen in den Großstädten, da die Frauen am [sic!] Land unter anderen Verhältnissen leben. Ferner werden hauptsächlich muslimische Frauen untersucht.“ (8) Trotz massiver...weiterlesen

Rezension, Demokratie und Frieden, Repräsentation und Parlamentarismus , Außen- und Sicherheitspolitik

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