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/ 11.06.2013
Ulrich Sollmann

Schaulauf der Mächtigen. Was uns die Körpersprache der Politiker verrät

München: Knaur 1999; 201 S.; 14,90 DM; ISBN 3-426-77470-4
Angesichts einer Politik, die zum "Medienspektakel" und zu "einem Teil der Unterhaltungsindustrie" geworden ist, und deren Akteure sich zunehmend "selbst inszenieren" (11), versucht das Buch, mittels einer Analyse von Körpersprache "Porträts" (15) ausgewählter deutscher Politiker zu erstellen. (Diese sind: Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine, Joschka Fischer, Rudolf Scharping, Franz Müntefering, Jürgen Trittin, Wolfgang Thierse, Peter Struck, Rezzo Schlauch, Otto Schily, Hans Eichel, Andrea Fischer, Bodo Hombach, Walter Riester, Christine Bergmann, Edelgard Bulmahn, Herta Däubler-Gmelin, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Andrea Nahles, Gunda Röstel und Antje Radcke.) Auf diese Weise will der Autor insbesondere "die atmosphärischen, nicht sprachlichen, emotionalen und intuitiven Aspekte" der jeweiligen Person würdigen, und "dem Menschen im Politiker wieder eine Chance geben, sichtbar zu werden" (16 f.). Nach eigener Aussage kennt er keinen der porträtierten Politiker persönlich oder aus Gesprächen; er entwirft seine Porträts vielmehr basierend auf der "Wahrnehmung der Körpersprache der Politiker, so wie sie durch die Berichterstattung in den Medien möglich wird" (15). Im Stil feuilletonistisch bis jovial, dürfte das Buch wohl auch inhaltlich auf Kritik stoßen. Die "Ergebnisse der Entwicklungs- und Wahrnehmungspsychologie" (13) etwa, auf die im Vorwort lax Bezug genommen wird, werden nirgends expliziert und scheinbar auch nicht angewendet; die gesamte Darstellung erweckt vielmehr den Eindruck eines Sammelsuriums von Beobachtungen, die über das bloß Beschreibende selten hinausgehen. Symptomatisch für die wissenschaftliche Qualität des Buches ist es, wenn etwa für den Gemeinplatz, die einem Zwiegespräch entnommenen Informationen seien ganz überwiegend nonverbaler Art (siehe 13), die Illustrierte Bunte (ohne Angabe von Heftnummer oder Erscheinungsdatum) als Quelle herangezogen wird - so wie sich das Quellenverzeichnis überhaupt ausschließlich aus Zeitungen, Illustrierten und (!) Fernsehsendern zusammensetzt. Auch das konkret politikwissenschaftliche Interesse wird enttäuscht, denn die Bezüge zum Fach bleiben rar und platitüdenhaft, etwa: "Schröder weiß, was er will, riskiert er doch durch seinen Kaschmir-Auftritt, von den Genossen in der SPD abgemahnt zu werden. Er, der die arbeitende Bevölkerung und sozialdemokratische Ideale vertritt, schmückt sich jetzt mit den Insignien der Bosse." (54)
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Ulrich Sollmann: Schaulauf der Mächtigen. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10903-schaulauf-der-maechtigen_12889, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12889 Rezension drucken
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