/ 11.06.2013
Werner Kilian
Adenauers Reise nach Moskau. Hrsg. von der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2005; 381 S.; kart., 15,- €; ISBN 3-451-22995-1Die Reise 1955 nach Moskau sei die erste selbständige außenpolitische Handlung der gerade erst souveränen Bundesrepublik gewesen, schreibt Kilian. Detailgenau zeichnet er diese Reise nach, die auf sowjetischer wie auf bundesdeutscher Seite als Erfolg verbucht wurde. Adenauer habe sich zunächst mit den drei Alliierten abgestimmt, weil er auf keinen Fall im Alleingang über die deutsche Frage verhandeln wollte, die Sowjetunion aber als „die Schlüsselmacht für die Wiedervereinigung“ (290) angesehen habe. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sei nach Adenauers Ansicht deshalb unumgänglich gewesen, was allerdings mit dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik kollidierte – die DDR hatte in Moskau schon eine Botschaft. Adenauer sei deshalb vor allem mit Blick auf das Erreichbare nach Moskau gereist: Er habe die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilisten erreichen wollen. Mittlerweile wisse man, so der Autor, dass die Sowjets diese ohnehin geplant hatten, sie sich aber von Adenauer zum Preis der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen abhandeln ließen. Kilian sieht dadurch die Leistung Adenauers nicht geschmälert, was angesichts der genauen, teilweise unterhaltsamen Schilderung des Besuchsablaufs einleuchtet – der 79-jährige Adenauer habe (präpariert mit Olivenöl) bei den Trinkgelagen mitgehalten, antideutsche Beschimpfungen ertragen und den Alleinvertretungsanspruch seiner Regierung für die Belange aller Deutschen bekräftigt. Dass er und nicht wenige Tage später Ulbricht mit der frohen Nachricht der bevorstehenden Freilassungen nach Hause reisen konnte, führt der Autor auf eine geradezu historische Fehleinschätzung der Sowjets zurück – für sie habe das Leben der Kriegsgefangenen nichts gezählt, die damit verbundenen Emotionen seien völlig unterschätzt worden. Adenauer aber erreichte bei den folgenden Wahlen zum ersten und bisher einzigen Mal die absolute Mehrheit für die CDU.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.21 | 2.62 | 2.313 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Werner Kilian: Adenauers Reise nach Moskau. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9508-adenauers-reise-nach-moskau_27909, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27909
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