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/ 21.06.2013
Gerhard Padderatz

Amerika. Mit Gewalt in den Gottesstaat

Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag 2007; 335 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-89812-473-7
Der Lebenslauf des Autors – Theologe, Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, Pastor, Berater christlicher Buchverlage in Afrika und mittlerweile Unternehmensberater mit Wohnsitz in den USA – könnte im ersten Moment vielleicht Verwunderung über den Titel auslösen. Das Buch aber stellt das Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung mit den USA dar: Ausgangspunkt ist die Einschätzung des Autors, die Blütezeit amerikanischer Werte in den späten 70er-Jahren – in Reaktion auf den Watergate-Skandal und den Vietnam-Krieg – sei dem aggressiven Versuch gewichen, eine extremistisch-religiöse Gesellschaftsordnung durchzusetzen. Über seine Beobachtung gesellschaftlicher Grundtendenzen und der Charakteristika des politischen Systems – etwa des Phänomens des Lobbyismus – gelangt Padderatz zur Schilderung der Entwicklung des christlichen Glaubens in den USA. Analysiert werden die Ansichten fundamentalistischer Christen sowie ihre Techniken zur Verwirklichung einer radikal-christlichen Ordnung in Politik und Gesellschaft, die sich schließlich auch auf die Bekehrung der restlichen Welt beziehen. Wie ein roter Faden zieht sich das vielzitierte Bild von der City Upon the Hill für die Vorbildrolle des eigenen Landes als Selbstbild extrem religiöser Christen in den USA durch das Buch, das der Autor – gerade weil er sich zum praktizierten Christentum bekennt – an der Realität misst: Anders als die Neokonservativen leitet er aus seinem Glauben den Auftrag ab, die eigene Gesellschaft und die Welt nicht gewalttätig missionieren zu wollen, sondern vielmehr durch Toleranz und Überzeugungskraft als Vorbild zu dienen. Das Vorwort entstand bereits im Sommer 2007, interessant wäre die Position des Autors zum aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf gewesen, in dem die angesprochenen Themen durchaus eine Rolle spielen und auf einen sehr viel kritischeren Diskurs als meist in Europa wahrgenommen schließen lassen.
Carsten Michael Nickel (CMN)
B. A., Politikwissenschaftler, wiss. Hilfskraft, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.642.222.234.22 Empfohlene Zitierweise: Carsten Michael Nickel, Rezension zu: Gerhard Padderatz: Amerika. Halle (Saale): 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28405-amerika_33461, veröffentlicht am 04.06.2008. Buch-Nr.: 33461 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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