/ 21.06.2013
Jürgen Elsässer
Angriff der Heuschrecken. Zerstörung der Nationen und globaler Krieg
Bonn: Pahl-Rugenstein 2007; 222 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-89144-376-7Die EU ist in der Hand der Großkapitalisten: Auf ihre Initiative saugt die EU die Einzelstaaten „Zug um Zug auf“ (13). „Wie eine Qualle schiebt sich die Union über den Kontinent nach Osten, frißt alle vorhandenen politischen Strukturen auf und hinterläßt den Schleim der Bürokraten.“ (14) Es ist reichlich originell, die Osterweiterung der EU als imperialistisches Projekt der Brüsseler Bürokratie zu beschreiben. Aber sowohl der ätzend polemische Ton als auch die durchgehend anti-kapitalistische Argumentation durchziehen das gesamte Buch und machen es zu einer ermüdenden Lektüre. Wenn „das Großkapital“ auch nur halb so viel strategische Voraussicht hätte, wie Elsässer ihm unterstellt, so müsste es aus lauter Genies bestehen. Immer wieder geht es gegen die Kriegstreiber und Überimperialisten in Washington, gegen die Zionisten in Israel oder gegen die Altachtundsechziger in der Bundesrepublik, die sich aus Bequemlichkeit zum Büttel des kapitalistischen Systems machten. Elsässer propagiert letztendlich einen linken Nationalismus, verbrämt durch pseudo-fortschrittliche Rhetorik und garniert mit quasi-marxistischem Vokabular, um die alten Kämpen auch noch mitzunehmen. Und er fördert erstaunliche Erkenntnisse zutage: So findet er sogar an den Taliban noch manches Gute: Zwar hätten sie Mädchen nicht in die Schule gelassen, Knaben aber immerhin schon, und das müsse man auch würdigen. Auch den Opiumhandel hätten sie unter Kontrolle gehabt. Und dann kam der böse Westen und alles ging wieder den Bach hinunter, genauso wie in Ex-Jugoslawien oder im Irak: Elsässer lässt kein gutes Haar an den Interventionen des Westens. Er wirft ihm vielmehr rundheraus vor, darauf aus zu sein, die jeweiligen Länder zu „zerhacken und zu filettieren“ (12). Es beruhigt, dass Elsässer wenigstens in der Vergangenheit Trost sieht. Im Anhang findet sich unter der Überschrift „Die DDR war geiler!“ ein Artikel von ihm aus dem Jahre 2003, der eindeutig zeigt, dass es in der DDR besser war. Messe man das Lebensglück am „Grad sexueller Erfüllung, so schnitt der DDR-Sozialismus eindeutig besser ab.“ (165)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.43 | 2.2 | 2.22 | 2.33
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Jürgen Elsässer: Angriff der Heuschrecken. Bonn: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27898-angriff-der-heuschrecken_32777, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 32777
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M. A., Politikwissenschaftler.
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