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/ 17.06.2013
Alexander Troche

"Berlin wird am Mekong verteidigt" Die Ostasienpolitik der Bundesrepublik in China, Taiwan und Süd-Vietnam 1954-1966

Düsseldorf: Droste Verlag 2001 (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte 37); 518 S.; geb., 40,- €; ISBN 3-7700-1885-0
Geschichtswiss. Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: G. Schöllgen, H. Altrichter. - Mit der Doktrin der militärischen Selbstbeschränkung schützte sich die Bundesrepublik fast 30 Jahre lang davor, aktiv in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Der Ursprung dieser Doktrin ist eng mit der deutschen Ostasienpolitik verbunden. Der Autor zeichnet unter Auswertung aller zugänglichen regierungsamtlichen deutschen und US-amerikanischen Quellen diese Politik der Bundesregierung während der Amtszeiten von Adenauer und Erhard nach. Geschützt von dem "aktiv gepflegten Image der interessenlosen und folglich nicht existenten deutschen Welt- und Machtpolitik" (14), versuchte die Bundesrepublik eigene, vor allem handelspolitische Interessen in Ostasien zu vertreten. Ein offener Konflikt mit den USA als sicherheitspolitische Garantiemacht musste allerdings vermieden werden. Mithilfe der Argumentation, dass "Out-of-Area"-Einsätze der Bundeswehr unzulässig seien, widersetzte sich Bonn dem Ansinnen der US-Amerikaner, ihnen in Vietnam vor allem mit Sanitätern zur Seite zu stehen. Die Deutschen kompensierten ihre Weigerung mit einer massiven Entwicklungshilfe für Süd-Vietnam, die aus politischen Gründen noch aufrecht erhalten wurde, als eine Niederlage der USA absehbar war. Auch mit der "stringent verfolgten, eigenständigen und pragmatisch ausgerichteten bundesdeutschen 'open-door-policy' (19)" gegenüber der VR China ergab sich ein Interessenkonflikt mit den USA. Diese hatten ein Embargo über die VR China verhängt und drängten auf dessen Einhaltung. Andernfalls, so drohten die USA, würden sie sämtliche Marshallplan-Hilfen einstellen. "So besaß die Bundesregierung niemals eine echte Option, entgegen den amerikanischen Vorgaben eine völlig eigenständige Politik mit Peking zu betreiben." (477) Dennoch versuchten die Regierungen unter Adenauer und Erhard, innerhalb dieses vom Kalten Krieg diktierten Rahmens die nationalen deutschen Interessen in Ostasien zu bewahren. Inhaltsübersicht: A. Die Genfer Ostasien-Konferenz von 1954; B. Bonn zwischen Peking und Taipeh: das Verhältnis zu Taiwan und der VR China: I. Wo liegt China? Die westdeutsche Open-Door-Policy; II. Bonn auf Beobachtungsposten oder: die Kunst des Möglichen; III. Aktivierung der westdeutschen Chinapolitik oder: die Grenzen des Möglichen. C. Die Bundesrepublik Deutschland und Süd-Vietnam: I. Zögerliche Anfänge; II. Bonn, Saigon und der schleichende Weg in den Krieg; III. Bonn und die Eskalation zum amerikanisch-vietnamesischen Krieg; IV. Offizielle Solidarität im Zeichen des Nexus "Berlin-Saigon"; V. Internes Befremden: Bonn am Rande der Bündniskrise.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.212.682.3134.224.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Alexander Troche: "Berlin wird am Mekong verteidigt" Düsseldorf: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15920-berlin-wird-am-mekong-verteidigt_18206, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18206 Rezension drucken
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