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/ 12.06.2013
Thomas Jäger (Hrsg.)

Bolivien. Staatszerfall als Kollateralschaden

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 239 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-531-16890-6
Der im Untertitel genannte Kollateralschaden – die politische, kulturelle und wirtschaftliche Zerrissenheit Boliviens – ist nach Ansicht der Autoren zu einem wesentlichen Teil der Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten des Landes geschuldet. Diese Einmischungen fanden und finden vor dem Hintergrund der Drogenproblematik in den US-amerikanischen Großstädten statt – in den 80er-Jahren stieg in den USA der Konsum von Kokain signifikant an, einhergehend mit einer sich ausbreitenden Gewalt. Die Autoren schildern, wie in den USA auf dieses Problem reagiert wurde und wird: mit der Strategie, bereits den Anbau und die Herstellung von Rauschgift in den Herkunftsländern zu unterbinden. Tatsächlich wird in Bolivien seit Beginn der gestiegenen Nachfrage aus den USA mehr Koka angebaut, die Menschen dort nehmen dies aber traditionell nicht als Problem wahr: In Bolivien werden die Blätter des Strauches gekaut, die weitaus harmlosere Wirkung ist nicht mit der des Kokains zu vergleichen. Zudem stellen die Autoren fest, dass die bolivianischen Politiker meist mit dem Drogenanbau in Verbindung stehen – wenn auch bisher eher weniger so offiziell wie der gegenwärtige Präsident Morales, ursprünglich ein Interessenvertreter der Koka-Bauern. Dessen Politik steht allerdings nicht im Mittelpunkt der Analysen, die Autoren beschreiben eher den Zustand, wie er sich bis zum Amtsantritt von Morales entwickelt hatte. Dargestellt werden die politischen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Aspekte sowie die bisher marginalisierte Stellung der indigenen Bevölkerung. Deutlich wird, dass der Koka-Anbau für viele Menschen die einzige Möglichkeit zur Erwirtschaftung eines ausreichenden Einkommens darstellt. Die US-Politik mit dem Ziel, die Koka-Pflanzen bis auf eine überschaubare Zahl für die legale Nutzung zu vernichten, so das Fazit, stößt daher kaum auf Akzeptanz und hat sich als nicht durchsetzbar erwiesen. Das tatsächlich eingetretene Ergebnis dieser Politik – das Entstehen sozialer Bewegungen und die Wahl von Morales – aber war nicht beabsichtigt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.652.212.224.222.64 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Thomas Jäger (Hrsg.): Bolivien. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14446-bolivien_37250, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 37250 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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