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/ 21.06.2013
Françoise Daucé / Elisabeth Sieca-Kozlowski (Hrsg.)

Dedovshchina in the Post-Soviet Military. Hazing of Russian Army Conscripts in a Comparative Perspective. With a foreword by Dale Herspring

Stuttgart: ibidem-Verlag 2006 (Soviet and Post-Soviet Politics and Society 28); 299 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89821-616-6
Dedowschtschina - die „Herrschaft der Großväter“ – bezeichnet die in der russischen Armee bis heute teilweise übliche Schikane von Dienstälteren an Rekruten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Hoffnung, dass das Problem im Zuge der Demokratisierung aus dem militärischen Alltag verschwinden werde. Das war aber nicht der Fall, im Gegenteil: Die Herausgeberinnen formulieren die These, dass die politische und ökonomische Liberalisierung Anfang der 90er-Jahre zu einer Zunahme der Gewalt in der Armee geführt hat. Worin liegen die Ursachen? In diesem Sammelband werden eine Fülle von Antworten gegeben: „Dedovshchina is [...] the consequence of historical legacy (Soviet and even tsarist), cultural tensions (inter-ethnic conflicts in the USSR), political dysfunctions (lack of democracy) and economic problems (lack of money in the army), all of which combined explain the longevity of this negative phenomenon. […] Dedovshchina is central to tensions between the conflicting trends of liberalism, communitarianism, capitalism and patriotism in today’s Russia.“ (18) Daher wird dieses komplexe Phänomen in dem Buch nicht allein als militärisches Problem betrachtet, sondern in einen breiteren Kontext der russischen Gesellschaft gestellt. Die Aufsatzautoren vergleichen die sozialen Praktiken in der Armee mit denen in anderen russischen Institutionen, wie etwa in Gefängnissen oder der Polizei. Ferner betrachten sie die Entstehung von Dedowschtschina in der sowjetischen und vorrevolutionären Zeit. Darüber hinaus werden Vergleiche mit den Armeen in Brasilien, der tschechischen Republik, in Georgien und auch in Großbritannien angestellt. Die öffentlich geführte Diskussion über das Problem, die nicht zuletzt durch den organisierten Protest des „Komitees der Soldatenmütter“ in Russland ausgelöst wurde, hat mittlerweile zu bescheidenen Reformen in der russischen Armee geführt. Hierzu zählt etwa die Verkürzung der Wehrdienstzeit ab 2008 auf ein Jahr sowie eine stärkere Professionalisierung der Rekrutenausbildung. Daher sehen die Herausgeberinnen ein kleines Licht am Ende des Tunnels.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.212.622.632.682.612.65 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Françoise Daucé / Elisabeth Sieca-Kozlowski (Hrsg.): Dedovshchina in the Post-Soviet Military. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26303-dedovshchina-in-the-post-soviet-military_30635, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30635 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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