/ 21.06.2013
Dexter Filkins
Der ewige Krieg. Innenansichten aus dem "Kampf gegen den Terror" Aus dem Amerikanischen von Christa Prummer-Lehmair und Rita Seuß
Frankfurt a. M.: S. Fischer 2009; 384 S.; 22,95 €; ISBN 978-3-10-028205-7Der bekannte Kriegsberichterstatter Filkins beschreibt in verschiedenen Reportagen die Vielgestalt des Krieges aus Sicht der Kämpfer und Zivilisten. Am Beispiel des Oberst Nathan Sassaman aus dem Herbst 2003 schildert Filkins das Abgleiten einer ursprünglich von den Irakern überwiegend willkommenen Militäraktion in eine rigide und gehasste Besatzungsherrschaft. Im Kommandobereich Sassamans häuften sich mit der Zeit die gegenseitigen Missverständnisse zwischen Amerikanern und Irakern. Mehr und mehr zeigte er sich enttäuscht über die Einheimischen. Schließlich verlor er die Geduld und griff zunehmend härter durch. Acht Monate später, schreibt Filkins, ging dann das Land als ein Ort, an dem sich die Amerikaner frei bewegen konnten, verloren. Sassaman versuchte es nun mit einer Mischung aus Einschüchterung, Gewalt und „einem Haufen Geld für Projekte“ (169 f.). Damit sollten die Iraker überzeugt werden, dass die Amerikaner ins Land gekommen waren, um ihnen zu helfen. Doch auch das half nicht und „am Ende seiner Dienstzeit war Sassaman unter den Einheimischen mehr gefürchtet als sonst jemand“ (178). Seine Porträts von Ahmad Chalabi oder Paul Bremer sind vernichtend. So schildert er Bremer als gefühlskalte und politische Marionette bei der Besichtigung einer Säuglingsstation. Durchweg kommen die einfachen Soldaten besser in Filkins Schilderungen weg als die Entscheidungsträger, hier drängt sich gelegentlich der Verdacht auf, dass der Autor infolge des Lebens mit den Soldaten die nötige Distanz verloren hat. Seltsam mutet zudem eine äußerst knappe Schilderung des Besuchs von Ground Zero an, den Filkins unternahm, als dort noch die Flammen loderten. Die Wahrnehmung seiner Landsleute, dass das „Ende der Zivilisation“ gekommen sei, kommentiert der Autor damit, dass doch in der „Dritten Welt jeden Tag solche Dinge geschahen: Erdbeben, Hungersnöte, Seuchen“ (54). Überhaupt kommt in den Reportagen die politische Analyse leider zu kurz.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.41 | 2.63 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Dexter Filkins: Der ewige Krieg. Frankfurt a. M.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31447-der-ewige-krieg_37432, veröffentlicht am 15.12.2009. Buch-Nr.: 37432 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenStudent, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA