/ 20.06.2013
Peter Scharl
Der geopolitische Diskurs um die Gründung einer US-amerikanischen International Law Enforcement Academy in Costa Rica. Eine Analyse nationaler Interessen, raumbezogener diskursiver Instrumente und ihrer Verankerung in einem "Terrain of Resistance"
Online-Publikation 2008 (http://www.opus-bayern.de/uni-passau/volltexte/2008/1269/pdf/Scharl_Peter.pdf); 242 S.Geograf. Diss. Passau; Gutachter: E. Struck. – Scharl analysiert die sicherheitspolitische Situation in den Staaten Zentralamerikas und das US-amerikanische Engagement in der Region. In den Mittelpunkt stellt er die diskursive Aufarbeitung der ursprünglich geplanten Gründung einer US-amerikanischen International Law Enforcement Academy (ILEA) in San José/Costa Rica und erläutert, warum die USA ihre nationalen Interessen in Zentralamerika als gefährdet ansahen und daher planten, diese Institution zu errichten. Hierzu zählte etwa der Drogenhandel, die Zunahme der durch Banden (sogenannte „maras“, 208) verübten Gewalttaten, über die Region hinaus operierende kriminelle und terroristische Akteure sowie die Formierung gegen die USA gerichteter politischer Strömungen in Zentralamerika. Die Untersuchungsinstrumente sind auf politisch-geografische Fragestellungen zugeschnitten. Die Frage nach der Funktion von Raum in der Kommunikation verbindet Scharl mit diskursanalytischen Ansätzen, sodass im Zentrum seiner Betrachtung raumbezogene diskursive Instrumente stehen, die die Akteure bei der Formulierung ihrer Strategien verwenden und mit denen sie versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Danach machen die Akteure von raumbezogenen Symbolisierungen Gebrauch, mit deren Hilfe sie den Raum mit Bedeutungen und Werten versehen. „Das in dieser Arbeit gewählte Vorgehen ermöglicht es aufzuzeigen, wie die Diskursteilnehmer ihre Interessen durch den gezielten Einsatz von Sprache verfolgen, [...] wie sich dies letztlich auf die Chance der Akteure zum Erreichen der Macht im Diskurs auswirkt“ (217). Dass die USA das Projekt der ILEA in Costa Rica als „‚unworkable’“ bezeichneten und es nicht zur Realisierung kam, ist im Wesentlichen – so Scharl – auf „der von ihnen bewusst vorgenommen Emotionalisierung des Diskurses über raumbezogene Symbolisierungen und Themen“ (218) zurückzuführen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 2.65
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Peter Scharl: Der geopolitische Diskurs um die Gründung einer US-amerikanischen International Law Enforcement Academy in Costa Rica. 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21890-der-geopolitische-diskurs-um-die-gruendung-einer-us-amerikanischen-international-law-enforcement-academy-in-costa-rica_36068, veröffentlicht am 31.03.2009.
Buch-Nr.: 36068
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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