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/ 11.06.2013
Jörg Paul Müller

Der politische Mensch - menschliche Politik. Demokratie und Menschenrechte im staatlichen und globalen Kontext

Basel/Genf/München: Helbing & Lichtenhahn 1999; 201 S.; brosch., 46,- DM; ISBN 3-7190-1791-5
"Möglichkeiten und Grenzen" (IX) einer vermenschlichten Politik auszuloten, ist das Anliegen, das der Schweizer Staatsrechtslehrer Müller mit seinem Buch verfolgt; menschlich wird Politik dadurch, dass sie der Selbstverantwortung und Selbstgestaltungskraft des Einzelnen Raum lässt, den Menschen nicht auf ein bestimmtes Bild festlegt und dem Gebot gegenseitiger Achtung uneingeschränkte Geltung verschafft. So weit, so gut – doch wie begründet man solche sehr allgemein gehaltenen Zielsetzungen, um ihre Einhaltung auch sicherstellen zu können? Das Verbot, sich ein Bild zu machen, kann leicht relativistisch ausgelegt werden; wie begründet man dann die wechselseitige Achtung, die sich die Menschen gewähren sollen? Müller verweist auf die Menschenrechte; doch diese sind historisch gewachsen und hinsichtlich ihrer Universalität umstritten. Also wechselt Müller von den Inhalten zu den Verfahren: Diskursbereitschaft soll zum Konsens führen und so die Freiheiten sichern, die mit den Menschenrechten gemeint sind. Doch dadurch sind die Probleme des Anfangs nicht behoben. Konsens kann auch der Vernichtung der Freiheit gelten – vorausgesetzt werden muss der vernünftige Diskursteilnehmer. Ist damit nicht wieder ein bestimmtes Menschenbild unterstellt, ein Verstoß gegen das Bilderverbot? Außerdem ist der Diskurs offenbar nicht gänzlich ergebnisoffen, schließlich sollen in ihm die Menschenrechte Bestätigung finden, die doch ihre Begründung per Verfahren erhalten sollten. Solche Zirkel sind unvermeidlich, wenn man normative Strukturen konsenstheoretisch herleiten will – entweder der Konsens hat einen Maßstab jenseits bloßer Übereinkunft der Mehrheit, oder der Konsens wird selbst zum Maßstab - letztlich ein anderer Begriff für das Recht des Stärkeren. Das Buch ist ebenfalls im Beck Verlag erschienen.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.412.5 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Jörg Paul Müller: Der politische Mensch - menschliche Politik. Basel/Genf/München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10604-der-politische-mensch---menschliche-politik_12540, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 12540 Rezension drucken
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