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/ 18.06.2013
Bernard Lewis

Der Untergang des Morgenlandes. Warum die islamische Welt ihre Vormacht verlor. Aus dem Englischen von Friedel Schröder und Martina Kluxen-Schröder

Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 2002; 254 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-7857-2108-0
Vor dem Hintergrund der Diskussionen um den "Kampf der Kulturen" untersucht die Studie die historischen Wechselbeziehungen zwischen Okzident und Orient. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Überarbeitung einer Vorlesungsreihe des Autors am Institut für die Wissenschaft am Menschen in Wien aus dem Jahre 1999. Im Mittelpunkt stehen weniger aktuelle Fragen im Verhältnis des Islams zum Westen, als vielmehr die Darstellung der jahrhundertelangen Wechselbeziehungen zwischen der islamischen Kultur (vorwiegend in Gestalt des Osmanischen Reiches) und dem christlichen Abendland. Dafür werden detailliert die (oft kriegerischen) Begegnungen beider Kulturkreise entlang historischer Epochen und hier stattgefundener zentraler politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und religiöser Ereignisse nachgezeichnet. Vor allem geht es um die Frage, warum die islamische Welt ihre Führungsrolle nach Jahrhunderten einer zivilisatorischen Blüte verlor und diese spätestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts vom Westen übernommen wurde. Dabei sieht der Autor diesen Prozess noch immer wirksam und in ihm die Ursachen für die sich vertiefende Entfremdung beider Kulturkreise. In lesenswerter und nachvollziehbarer Weise kommt er zu dem Schluss, dass auch der Orient seinen Beitrag zur Überwindung dieser Gegensätze leisten muss und nicht mehr dem jahrhundertelangen Reflex folgen darf, die Ursachen seiner Schwäche im Äußeren zu suchen. Insgesamt liefert die Studie (die in der englischen Originalausgabe "What went wrong?" bereits vor dem 11. September 2001 erschien) einen guten Überblick über die historische Entwicklung des Orients und damit notwendiges Wissen bei der Beurteilung aktueller weltpolitischer Fragen. Inhaltsübersicht: 1. Die Lektionen auf dem Schlachtfeld; 2. Das Streben nach Wohlstand und Macht; 3. Soziale und kulturelle Schranken; 4. Modernisierung und soziale Gleichheit; 5. Säkularismus und Zivilgesellschaft; 6. Zeit, Raum und Modernität; 7. Aspekte des kulturellen Wandels.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.232.63 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Bernard Lewis: Der Untergang des Morgenlandes. Bergisch Gladbach: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17325-der-untergang-des-morgenlandes_19934, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19934 Rezension drucken
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