/ 17.06.2013
Michael Schorr
Der Wandel der humanitären Aktion internationaler Organisationen. Die institutionellen sowie materiell-rechtlichen Konsequenzen dargestellt am Beispiel des IKRK, UNHCR und UNHCHR
Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2004 (Studien zum Völker- und Europarecht 2); 304 S.; 92,- €; ISBN 3-8300-1269-1Diss. Würzburg. - Schorr zeichnet die institutionellen und materiell-rechtlichen Wandlungen nach, die sich als Folge geänderter Strukturen und Ziele humanitärer Hilfsmaßnahmen ergeben. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile, deren erster die Arbeitsfelder des IKRK, des UNHCR und des UNHCHR skizziert. Bis Ende der 80er-Jahre haben diese drei Institutionen nicht nur aufgrund verschiedener Rechtsgrundlagen (dem humanitären Völkerrecht, dem Flüchtlingsrecht und den allgemeinen Menschenrechten) agiert, sondern sich auch in ihrer praktischen Hilfsarbeit nur marginal überschnitten. Im Zuge der weltpolitischen Entwicklung der 90er-Jahre habe sich jedoch der Aktionsradius der humanitären Aktion grundlegend gewandelt. Im zweiten Teil zeichnet Schorr den dadurch ausgelösten Wandel im Selbstverständnis der Hilfsorganisationen nach und unterscheidet zwischen einem klassischen, sich als neutral und unpolitisch verstehenden Humanitarismus und einem neuen, der das staatliche Souveränitätsmonopol unterlaufe, sich explizit als politisch verstehe und humanitäre Hilfe als Menschenrecht begreife. Schorr stellt die These auf, dass dieser Wandel der humanitären Aktionen und das veränderte Selbstverständnis der sie tragenden Akteure bereits mittelfristig zu einer völkerrechtlichen Rechtsfortbildung führen wird, die die in der heutigen Praxis schimärenhaft gewordenen Grenzen zwischen humanitärem Völkerrecht und Menschenrechten einebnen wird. Es bestehe erstens die Notwendigkeit, „ein internationales Zuständigkeitsregime zu schaffen" (194), das die Koordination der bislang getrennt agierenden Akteure koordiniere, und zweitens eine „Angleichung der materiellen Normen des humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und des Flüchtlingsrechts zum Recht im Umfeld des bewaffneten Konflikts" (198) vorzunehmen.
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.3
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Michael Schorr: Der Wandel der humanitären Aktion internationaler Organisationen. Hamburg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14689-der-wandel-der-humanitaeren-aktion-internationaler-organisationen_26289, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26289
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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