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/ 22.06.2013
Günter Buchstab / Hans-Otto Kleinmann / Hanns Jürgen Küsters (Hrsg.)

Die Ära Kohl im Gespräch. Eine Zwischenbilanz

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2010; XIII, 588 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-412-20592-8
Politikblockade, Reformstau, Stillstand – so oder ähnlich lauteten die Zuschreibungen für die zweite Hälfte der 16-jährigen Amtszeit von Helmut Kohl. Dieser „Eindruck des Immobilismus in der Endphase der Regierung Kohl wurde auf die gesamte Amtszeit übertragen“ und es sei nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 schwer auszumachen gewesen, „was die Ära Kohl eigentlich geprägt habe“ (XI), schreiben die Herausgeber. Um zu einer vorurteilsfreien Würdigung der Ära Kohl beizutragen, initiierten sie im Jahr 2000 eine Tagungsreihe, bei der sich Weggefährten, Zeitzeugen und Wissenschaftler mit der Regierungszeit von 1982 bis 1998 befassten. Die Ergebnisse der bisherigen Veranstaltungen wurden seit 2001 in der Hauszeitschrift der Konrad-Adenauer-Stiftung, den „Historisch-Politischen Mitteilungen“, veröffentlicht und aus Anlass das 80. Geburtstages von Helmut Kohl nun in diesem Band zusammengefasst. Die für die Drucklegung nur geringfügig redigierten Beiträge wurden in chronologischer Reihenfolge abgedruckt. Damit gliedert sich der Band entlang der Tagungen, die jeweils einzelnen Politikfeldern wie beispielsweise der Medien-, der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Sozial-, Umwelt- und Kulturpolitik sowie der Deutschlandpolitik und den transatlantischen Beziehungen gewidmet waren. Eine Ausnahme bildet das Schlusskapitel über die generellen Reformleistungen in den 90er-Jahren: Darin fragt Hans-Peter Schwarz, ob man nicht im Rückblick feststellen müsse, dass die zweite Halbzeit der Ära Kohl gerade nicht eine Phase des Reformstaus gewesen sei, sondern dass in dieser Zeit „Reformen von großer Tragweite in Gang gekommen sind“. Die „tiefgreifende Umgestaltung“ (568) der neuen Bundesländer und die Vollendung des europäischen Binnenmarktes nennt Schwarz als zwei Fundamentalreformen, die Kohl auf den Weg gebracht habe. Auch mit der Post-, Bahn- und Pflegereform seien gewichtige Schritte gemacht worden. Insgesamt habe sich Kohl, so würdigt ihn Schwarz, „als Kanzler des großen Übergangs von der alten zur neuen Bundesrepublik bewährt, noch mehr aber als Gestalter des Vereinten Europa, dessen heutige Form ohne ihn nicht vorstellbar wäre“ (578).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.3222.3312.343.74.21 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Günter Buchstab / Hans-Otto Kleinmann / Hanns Jürgen Küsters (Hrsg.): Die Ära Kohl im Gespräch. Köln/Weimar/Wien: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33009-die-aera-kohl-im-gespraech_39431, veröffentlicht am 11.01.2011. Buch-Nr.: 39431 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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