/ 21.06.2013
John J. Mearsheimer / Stephen M. Walt
Die Israel-Lobby. Wie die amerikanische Außenpolitik beeinflusst wird. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff, Claudia Buchholtz, Birgit Lamerz-Beckschäfer, Ute Mareik, Harald A. Stadler
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007; 503 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-593-38377-4Mit ihrem Artikel in der London Review of Books zum überproportionalen Einfluss einer pro-israelischen Lobby auf die amerikanische Außenpolitik sorgten der Chicagoer Professor Mearsheimer und der Harvard-Professor Walt bereits Anfang 2006 für erheblichen Aufruhr. Die Autoren argumentieren, die US-amerikanische Unterstützung für den Staat Israel falle überdurchschnittlich großzügig aus, ohne dass diese Großzügigkeit sich immer durch strategische oder moralische Argumente rechtfertigen ließe. Stattdessen gelte die bedingungslose Unterstützung Israels vor allem deshalb als unverrückbares Grunddatum der US-Politik, weil in Washington der politische Druck zugunsten israelischer Interessen außergewöhnlich wirkungsmächtig sei. Das Ergebnis sei eine Nahostpolitik, die amerikanischen Interessen – definiert als sicherer Zugang zu Öl, Terrorismusbekämpfung und nukleare Nichtverbreitung – häufig zuwiderlaufe. Gerade der Umstand, dass sich die USA nicht gegen den aggressiven israelischen Umgang mit den Palästinensern einsetzten und einen Konfrontationskurs gegenüber Syrien, Libanon und Iran mittragen würden, fördere den Antiamerikanismus in der Region und komme die USA daher teuer zu stehen. Die Thesen der Autoren wurden schnell als antisemitisch und wenig fundiert kritisiert und heftig debattiert. Dem begegnen die Autoren mit einer Buchversion, die den Aufsatz um weitere Passagen und Belege ergänzt. Weiterhin benennen sie mögliche antijüdische Assoziationen sehr direkt, um sie ebenso deutlich von sich zu weisen. Das nun auf deutsch vorliegende Werk ist keine polemische, sondern eine systematisch argumentierende Schrift. Sie krankt indes auf empirischer Ebene an der Schwäche, dass die Einflussnahme der diversen pro-israelischen Lobbygruppen in den USA hauptsächlich durch Zeitungs- und Internetquellen belegt ist. Eine tiefe Analyse des außenpolitischen Entscheidungsprozesses in den USA und des Einflusses von Lobbyisten legen die Autoren, schon mangels Zugriff auf aktuelle offizielle Dokumente, daher nicht vor.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 2.64 | 2.22 | 4.22 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: John J. Mearsheimer / Stephen M. Walt: Die Israel-Lobby. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28196-die-israel-lobby_33160, veröffentlicht am 28.03.2008.
Buch-Nr.: 33160
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M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
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