/ 18.06.2013
Wolfgang Wilhelmi
Die Politik der Rußländischen Föderation gegenüber dem "Nahen Ausland" Unter besonderer Berücksichtigung von Rolle und Einfluß des Militärs
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002 (Demokratie, Sicherheit, Frieden 149); 309 S.; brosch., 39,- €; ISBN 3-7890-8128-0Der Autor widmet sich einem besonderen Aspekt russischer Außenpolitik: dem ehemaligen Hoheitsgebiet der UdSSR bzw. "Nahen Ausland". Für den Untersuchungszeitraum von 1991 bis 1996 nimmt er dabei eine besondere Rolle des Militärs an. Angesichts spezifischer Ausgangsbedingungen - Abzug russischer Truppen, Grenz- und Minderheitenkonflikte - ist diese Prämisse plausibel. Im Anschluss daran werden Determinanten von Sicherheit im postsowjetischen Raum untersucht, wie u. a. die Grundmuster außenpolitischer Orientierung (atlantischer, eurasischer und/oder großrussisch-imperialistischer Prägung) der russischen Elite. Konkret geht es Wilhelmi um die Bestimmung der Rolle und des Stellenwerts des Militärs sowie seines Einflusses auf außen- und sicherheitspolitische Zielbestimmungen bzw. Entscheidungen. Dabei unterscheidet er - nach Timothy Colton - drei Arten von Macht des Militärs: 1. Macht über Verteidigungspolitik, 2. breitere Macht über lose mit dem Politikfeld "militärische Sicherheit" verbundene Themen und 3. "souveräne Macht" (27). Mit Ausnahme der baltischen Staaten (Estland, Lettland und Litauen) werden die Gestaltungsmacht im "Nahen Ausland" und das Verhalten der Militärs bei zentralen politischen Entscheidungen - Putschversuche 1991 und 1993, Entschluss zum Krieg in Tschetschenien 1994 - untersucht. Wilhelmi kommt in seiner Anfang 1997 abgeschlossenen Studie zu dem Ergebnis, dass die militärische Führung zu keinem Zeitpunkt über souveräne Gestaltungsmacht verfügt hat und lediglich über das Verteidigungsministerium, dessen Rolle im Zusammenhang mit unterschiedlichen Interessengruppen näher beleuchtet wird, in den Politikentscheidungsprozess zwischen Regierung, Außen-, Verteidigungsministerium und Präsident eingreifen konnte. Leider wirken in dem quellenreichen Buch der unübersichtliche Aufbau und die Wiederholung von Zitaten (27 und 220) störend. Besonders bedauerlich ist der Verzicht des Autors, die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren zumindest kursorisch einzubeziehen.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 4.41 | 2.62
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Wolfgang Wilhelmi: Die Politik der Rußländischen Föderation gegenüber dem "Nahen Ausland" Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18005-die-politik-der-russlaendischen-foederation-gegenueber-dem-nahen-ausland_20785, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20785
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