/ 20.06.2013
Die Reaktion der EU auf den 11. September
Mareike Kleine
Die Reaktion der EU auf den 11. September. Zu Kooperation und Nicht-Kooperation in der inneren und äußeren Sicherheit
Münster: Lit 2004; 135 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-8258-8256-XDie mangelnde außenpolitische Handlungsfähigkeit der EU zeigt sich besonders eklatant an ihrer Reaktion auf den 11. September. Mangelnde Kooperation der Mitgliedstaaten sowie eine Renationalisierung der Politiken ließen sich insbesondere im Bereich der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik beobachten. Hingegen war im Bereich der inneren Sicherheit ein Integrationsschub zu verzeichnen, den es ohne den 11. September so nicht gegeben hätte. Lang umstrittene Projekte, wie der eines EU-H...
Mareike Kleine
Die Reaktion der EU auf den 11. September. Zu Kooperation und Nicht-Kooperation in der inneren und äußeren Sicherheit
Münster: Lit 2004; 135 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 3-8258-8256-XDie mangelnde außenpolitische Handlungsfähigkeit der EU zeigt sich besonders eklatant an ihrer Reaktion auf den 11. September. Mangelnde Kooperation der Mitgliedstaaten sowie eine Renationalisierung der Politiken ließen sich insbesondere im Bereich der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik beobachten. Hingegen war im Bereich der inneren Sicherheit ein Integrationsschub zu verzeichnen, den es ohne den 11. September so nicht gegeben hätte. Lang umstrittene Projekte, wie der eines EU-Haftbefehls, wurden nun zügig umgesetzt. Wie lassen sich diese gegenläufigen Entwicklungen erklären? Dies ist die Ausgangsfrage der Studie. Mittels realistischer, liberaler und konstruktivistischer Theorien der Internationalen Beziehungen versucht die Autorin das unterschiedliche Kooperationsverhalten der EU-Mitgliedstaaten in den Bereichen der äußeren und inneren Sicherheit zu erklären. Hierzu werden zentrale Hypothesen aus den Theorien abgeleitet und ihre Erklärungskraft anhand mehrerer Fallstudien verglichen. Dabei stellt sich heraus, dass keine der Theorien das Kooperationsverhalten in allen Fällen erklären kann, wohl aber, dass ein Theorienmix aus Sozialkonstruktivismus und Neorealismus, also eine Normen- und Machtmatrix, das Verhalten der Staaten im Bereich der äußeren Sicherheit am besten beschreibt. Die liberale Hypothese, dass die Regierungen nach größtmöglicher Handlungsautonomie streben, bietet hingegen den besten Erklärungsrahmen für die erhöhte Kooperationsbereitschaft im Bereich der inneren Sicherheit. Die Studie ist somit sowohl ein gelungener Vergleich divergierenden Kooperationsverhaltens als auch ein Theorientest. Verschiedene Theorien können so die unterschiedliche Integrationsintensität beziehungsweise Kooperationsbereitschaft in beiden untersuchten Politikfeldern erklären. Dieses zentrale Ergebnis der Untersuchung stellt vor allem den exklusiven Erklärungsanspruch einzelner IB-Theorien infrage. Die Autorin weist schlüssig nach, dass sich die drei „Großtheorien“ nicht gegenseitig ausschließen, sondern bei differenzierter Analyse sinnvoll ergänzen können.
Holger Moroff (HM)
M. A., M. E. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 3.6 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Holger Moroff, Rezension zu: Mareike Kleine: Die Reaktion der EU auf den 11. September. Münster: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24987-die-reaktion-der-eu-auf-den-11-september_28892, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28892
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M. A., M. E. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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