/ 17.06.2013
Harold H. Tittmann
Die Verteufelung. Eine Dokumentation der US-Rufmord-Kampagne gegen Waldheim
Wien: Molden Verlag 2001; 208 S.; geb., 19,40 €; ISBN 3-85485-061-1Als im Jahre 1986 während des österreichischen Präsidentschaftswahlkampfes - in dem Waldheim Kandidat war - sehr massive Vorwürfe gegen den ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen hinsichtlich seiner Verstrickung in Gräueltaten der Wehrmacht auftauchten, kursierte der folgende Witz durch die Gazetten: "Waldheim war gar nicht Mitglied der SS-Reiterstandarte - das war sein Pferd!" Aber Waldheim war tatsächlich in der SS-Reiterstandarte. Nur konnte ihm niemand nachweisen, dass er willentlich dort eingetreten war. Seine Mitgliedschaft beruhte vielmehr auf der Inkorporation einer gänzlich unverfänglichen Organisation in die Reiterstandarte. Davon war allerdings nirgendwo die Rede. Schlimmer wog der Vorwurf, Waldheim sei an Gräueltaten und Deportationen auf dem Balkan beteiligt gewesen. Als Beweis druckte die New York Times ein Foto ab, das Waldheim zwischen einem italienischen General und dem SS-Gruppenführer Artur Phleps zeigte. Der Aufmacher der NYT informierte die Leser darüber, das Phleps für brutale Kriegsverbrechen verantwortlich gewesen war. Er enthielt jedoch keine Zeile darüber, dass Waldheim lediglich als Übersetzer gearbeitet hatte. Der amerikanische Rechtsanwalt Tittmann weist in diesem und in mehreren anderen Punkten detailliert nach, dass systematisch Tatsachen verdreht, verschwiegen und ignoriert wurden. So landete der ehemalige UNO-Generalsekretär letztendlich auf der so genannten Watchlist, auf der Personen verzeichnet sind, denen die Einreise in die USA verweigert wird. In Österreich wurde er trotzdem zum Präsidenten gewählt. Waldheim ist bis heute nicht rehabilitiert worden. Tittmanns Kritik richtet sich gegen den unprofessionellen Journalismus der New York Times, gegen die unrühmliche Rolle des World Jewish Congress und gegen die amerikanische Regierung, deren Office of Special Investigations für die meisten Fehler und Verdrehungen in der so genannten Waldheim-Affäre verantwortlich war. Tittmanns Argumentation klingt plausibel, ist aber letztlich wohl nur von Spezialisten genau zu überprüfen. Angesichts der vielen Zweifel an den Anschuldigungen gegen den ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten hätte Waldheim diese Chance zur Rehabilitierung sicherlich verdient.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Harold H. Tittmann: Die Verteufelung. Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16299-die-verteufelung_18711, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18711
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M. A., Politikwissenschaftler.
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