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/ 17.06.2013
Torsten Feldbrügge

Economics of Emergency Relief Management in Developing Countries. With Case Studies on Food Relief in Angola and Mozambique

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2001 (Development economics and policy 19); XVI, 199 S.; pb., 35,28 €; ISBN 3-631-37326-0
Ernährungswirt. Diss. Kiel; Gutachter: J. von Braun, C. Weiß. - Der Bedarf an humanitären Hilfsleistungen im Kontext bewaffneter Konflikte hat in den letzten Jahren zugenommen. Wirkung und Effekte humanitärer Hilfsoperationen auf die Empfänger sowie auf die lokalen und regionalen Rahmenbedingungen sind dabei umstritten. Ökonomische Fragestellungen im Zusammenhang mit humanitären Notlagen widmeten sich bisher vor allem diesen (Neben-)Wirkungen von Hilfsmaßnahmen. Die Studie nähert sich dem in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnenen Politikfeld der internationalen humanitären Hilfe dagegen aus einer neuen Perspektive. Ausgangspunkt der Überlegungen sind die hohen menschlichen und ökonomischen Kosten von Katastrophen und Konflikten in Entwicklungsländern. Hier zeigen sich enge Zusammenhänge zwischen Entwicklungsstatus und Krisenanfälligkeit. Vor diesem Hintergrund sollten ökonomische Kriterien, wie z. B. die langfristigen Folgekosten von Krisen, eine höhere Aufmerksamkeit erfahren. Die Studie versucht zu zeigen, wie mithilfe ökonomischer Analysen die Effektivität von Nothilfemaßnahmen durchaus verbessert werden kann. Ausgehend von oft kritisierten Unzulänglichkeiten bei der Durchführung der Nothilfe untersucht der Autor die Prozesse der Entscheidungsfindung (von "Katastrophenmanagern") in Krisensituationen am Beispiel humanitärer Hilfsoperationen. Diese zeichnen sich regelmäßig durch hohen Handlungsdruck bei gleichzeitig vorliegendem Informationsmangel aus. Nach einem breiten Überblick über die wahrnehmbaren und nicht wahrnehmbaren ökonomischen Auswirkungen humanitärer Notlagen wendet sich der Autor darum zunächst dem essenziellen Element der Information zu. Aspekte der Informationsbeschaffung und -auswertung in Krisensituationen in Entwicklungsländern werden zu Recht als wesentliches ökonomisches Problem erkannt. Von der Makro-Ebene (Ursachen) bis zur Mikro-Ebene (Folgen für betroffene Bevölkerungen) werden verschiedene Stufen von Hintergrundinformationen identifiziert und diskutiert, die potenziell für die Entscheidungsfindung in Krisensituationen von Bedeutung sind. Betont werden der dynamische Charakter von Krisen, ihre zeit-übergreifenden Verbindungen sowie die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Typen von Krisen. Als Ansatz einer neuen Typologisierung von Notlagen und Konflikten arbeitet der Autor eine Unterscheidung zwischen Krisen, die negativ auf Entwicklungsprozesse wirken, und solchen mit einem positiven Potenzial heraus. Bei der Interpretation krisenrelevanter Informationen werden zudem drei Ebenen von Problemen identifiziert: 1. Informationsasymmetrien zwischen Geber- und Hilfsorganisationen und 2. zwischen Hilfsorganisation und betroffener Bevölkerung sowie 3. die mangelnden Kenntnisse über die tatsächlichen Kosten humanitärer Interventionen. Die adäquate Formulierung von Entscheidungsproblemen und ihre Lösung wird durch diese Problemebenen oft erschwert. Für die in Krisenkontexten hilfreiche Strukturierung von Entscheidungen wird u. a. ein PC-gestütztes Entscheidungsverfahren vorgeschlagen. In zwei Fallstudien zur Nahrungsmittelnothilfe stellt Feldbrügge schließlich die Bandbreite der auftretenden Informationsprobleme und Potenziale für die Verbesserung der Nothilfemaßnahmen dar. Es zeigt sich die Bedeutung flexibler Maßnahmenpakete, die durch umfassende Kenntnisse der verschiedenen Bestimmungsfaktoren von Krisen, ihren Ursachen und Kosten sowie einer richtigen Interpretation dieser Informationen begleitet werden müssen. Implizit wird so für eine (der Informationslage angepasste) erweiterte Entscheidungsfreiheit der vor Ort agierenden Hilfsakteure argumentiert. Über die Beantwortung der Kernfragestellungen hinaus, bietet die Studie zudem eine Einführung zu Fragen der Datenerfassung im Zusammenhang mit humanitären Notlagen sowie zu einigen Grundkonzepten (wie z. B. Relief-to-Development-Continuum) der internationalen humanitären Hilfe. Aus dem Inhalt: 2. Disasters and Violent Conflicts: Causes, Trends, Costs and Action for Relief: 2.2 Causes of Disasters and Violent Conflicts: Concepts and Implications for Emergency Relief Aid Management; 2.3 Disasters and Conflict Statistics: Trends since 1960; 2.4 Disasters and Violent Conflicts: Impact and Costs. 3. The Critical Role of Information in Emergency Relief Management: 3.1 Decision Making Under Ambiguous Information; 3.2 Connecting Different Levels of Information Problems. 4. Managerial Issues of Decision-Making in Crises: 4.1 Relief-to-Development-Concept: Recent Debate; 4.2 Disaster Information Management; 4.3 Unstructured Decision-Making Processes; 4.4 Organisational and Management Structures; 4.4 Conclusion: Living with Uncertainty. 5. Food Emergency Interventions: Case Studies: 5.2 Flood Emergency Relief in Tambara District, Mozambique; 5.3 Drought Relief in Kwanza Sul, Angola.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 4.442.67 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Torsten Feldbrügge: Economics of Emergency Relief Management in Developing Countries. Frankfurt a. M. u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15778-economics-of-emergency-relief-management-in-developing-countries_18000, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18000 Rezension drucken
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