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/ 21.06.2013
Nationale Kommission zur Untersuchung von politischer Haft und Folter (Hrsg.)

"Es gibt kein Morgen ohne Gestern" Vergangenheitsbewältigung in Chile. Aus dem Spanischen von Katharina Förs, Barbara Reitz und Maria Zybak

Hamburg: Hamburger Edition 2008; 424 S.; 35,- €; ISBN 978-3-936096-91-0
Pinochets Militärdiktatur in Chile war berüchtigt für ihre Brutalität: Inhaftierung, Folter und das „Verschwindenlassen” von Regimegegnern gehörten zum Regierungsgeschäft. Noch immer leiden Opfer und Angehörige unter den Nachwirkungen. 2003 rief der damalige Präsident Lagos die „Nationale Kommission zur Untersuchung von politischer Haft und Folter” ins Leben. Ihr Auftrag bestand darin, Freiheitsberaubungen und Folterungen der Diktatur zu ermitteln sowie Vorschläge für Wiedergutmachungsmaßnahmen zu entwickeln. Daraufhin wurden 35.000 Personen befragt und fast 28.000 nach einem Prüfverfahren als Opfer anerkannt. Dieses Buch stellt den Schlussbericht der Kommission dar. Darin wird das Repressionsregime erläutert und es werden die verschiedenen Phasen von politischer Haft und Folter dargestellt. Außerdem werden sämtliche geografischen und sozial-statistischen Informationen zu Haftorten und den Opferprofilen differenziert dargelegt. Die eigentlichen Hauptkapitel behandeln die Foltermethoden sowie die Folgen von Folter und Haft, wobei auch Aussagen und Erzählungen von Opfern wiedergegeben werden. Diese Schilderungen sind verstörend, weil sie unvorstellbare Leiden dokumentieren. Im Schlusskapitel schlägt die Kommission auf der Grundlage ihrer gewonnen Erkenntnisse ein Maßnahmenpaket vor, das opferbezogene Wiedergutmachung, kollektive Maßnahmen mit symbolischem Charakter und institutionenbezogene Maßnahmen zur künftigen Achtung der Menschenrechte enthält. Zwar werden die Namen der Täter und Zeugen noch für 50 Jahre geheim bleiben, trotzdem kommt dem Bericht für die historische Aufarbeitung und die politischen Folgerungen enorme Bedeutung zu. Darüber hinaus ist der Band ein wichtiger Beitrag zur Folterdiskussion, weil die Perspektive der Opfer in den Mittelpunkt gestellt und ihren erschütternden Erlebnissen breiter Platz eingeräumt wird.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.652.212.25 Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Nationale Kommission zur Untersuchung von politischer Haft und Folter (Hrsg.): "Es gibt kein Morgen ohne Gestern" Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28862-es-gibt-kein-morgen-ohne-gestern_34065, veröffentlicht am 21.05.2008. Buch-Nr.: 34065 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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