/ 20.06.2013
Experiment Moderne
Stefan Plaggenborg
Experiment Moderne. Der sowjetische Weg
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2006; 401 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-38028-5Fünfzehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist es höchste Zeit, die sowjetische Geschichte in einen breiteren historischen Kontext einzuordnen und nach ihrer Bedeutung für laufende historische und soziologische Debatten zu fragen. Diesen Abschnitt russischer Geschichte vor dem Hintergrund der westlichen Modernediskussion zu analysieren, erfüllt mehrere Funktionen zugleich. Erstens wird der Sowjetsozialismus damit nicht von vornherein als „gescheitertes Projekt“ oder „...
Stefan Plaggenborg
Experiment Moderne. Der sowjetische Weg
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2006; 401 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-593-38028-5Fünfzehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist es höchste Zeit, die sowjetische Geschichte in einen breiteren historischen Kontext einzuordnen und nach ihrer Bedeutung für laufende historische und soziologische Debatten zu fragen. Diesen Abschnitt russischer Geschichte vor dem Hintergrund der westlichen Modernediskussion zu analysieren, erfüllt mehrere Funktionen zugleich. Erstens wird der Sowjetsozialismus damit nicht von vornherein als „gescheitertes Projekt“ oder „russische[r] Sonderfall“ negiert, sondern als Teil gesamteuropäischer Geschichte verstanden. Durch die Einbindung in die Modernediskussion wird zweitens dasjenige westliche Dogma herausgefordert, welches den Beitrag der Sowjetgeschichte zu epochenübergreifenden Debatten – sei es aufgrund politisch-ideologischer Prägungen oder aufgrund des Zerfalls der SU – bestreitet. Der Autor stellt sich der zentralen Herausforderung, den theoretischen Modernediskurs mit historischen Narrative zu verknüpfen. In sechs Kapiteln wird die Sowjetgeschichte systematisch nach ihrem Beitrag zur Modernedebatte befragt, wobei diesem Anspruch insbesondere die Abschnitte zu Strukturauflösung und Traditionsverlust, der besonderen Bedeutung von Zeit und Geschichte innerhalb des Sowjetstaates und der Rolle von Gewalt in der sowjetischen Gesellschaft gerecht werden. Plaggenborg gelingt es auf diese Weise nicht nur, die Sowjetgeschichte in den Modernediskurs einzubringen, sondern sie ins Zentrum der Moderne zu stellen („Stalinismus ist Moderne. Er ist es besonders in seinem zentralen Aspekt – der Gewalt“ [331]). Mit dem Begriff der „integralistischen Moderne“ (366) wird der Beitrag der Sowjetgeschichte zum Modernediskurs schließlich auf den Punkt gebracht. Ein statischer Modernebegriff ist daher irreführend – je nach historischem und regionalem Kontext sind es eher verschiedene Arten von Moderne, die man am besten als offenen Prozess mit multiplen Akteuren und Handlungsebenen versteht.
André Härtel (ANH)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Rubrizierung: 2.62
Empfohlene Zitierweise: André Härtel, Rezension zu: Stefan Plaggenborg: Experiment Moderne. Frankfurt a. M./New York: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25862-experiment-moderne_30023, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30023
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena.
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