/ 21.06.2013
Barbara Kraml
Gender Budgeting in Wien Meidling. Ein Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit öffentlicher Haushalte?
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Politik und Demokratie 11); 119 S.; 24,50 €; ISBN 978-3-631-57731-8Im Rahmen von Gender Mainstreaming-Prozessen dient Gender Budgeting als finanzpolitisches Instrument, das zu einer geschlechtergerechten Umverteilung öffentlicher Gelder führen soll. Die Grundannahme dabei ist, dass finanzpolitischen Entscheidungen spezifische Vorstellungen von Geschlechterverhältnissen zugrunde liegen und z. B. durch bestimmte steuerpolitische Entscheidungen ungleiche Verhältnisse zwischen Männern und Frauen sowohl verfestigt als auch verändert werden können. Mit Gender Budgeting, das bislang nur vereinzelt und zumeist in Form von Pilotprojekten praktiziert wird, sollen die öffentlichen Haushalte möglichst geschlechtssensibel gestaltet werden. Die Autorin skizziert zunächst verschiedene Möglichkeiten der Implementierung dieses Instruments und erläutert die Voraussetzungen und notwendigen Begleitprozesse, wie beispielsweise die Erhebung geschlechtsbezogener Daten oder die Institutionalisierung von Gender Budgeting. Für den Erfolg von Gender Budgeting ist aber das jeweilige Gender-Wissen der politisch Verantwortlichen, deren Problemwahrnehmung über Geschlechterungerechtigkeit und Bewusstseinsbildung über den Zusammenhang von Haushaltspolitik und Geschlechter- bzw. Gesellschaftspolitik maßgeblich, so die These der Autorin. Dies zeigt sie am Beispiel eines im Jahr 2004 begonnenen Gender Budgeting-Projektes im Wiener Bezirk Meidling auf. Sie hat für ihre Untersuchung Lokalpolitikerinnen und -politiker aller im Bezirk vertretenen Parteien nach ihren Geschlechterleitbildern und ihrem Gender-Wissen befragt. Die Antwort auf die im Untertitel gestellte Frage fällt am Ende differenziert aus, wobei „[g]ewisse Tendenzen zu unkritischer Fortschreibung“ unhinterfragter dominanter Rollenbilder „sehr wohl erkennbar und letztendlich dem gleichstellungspolitischen Potential des Pilotprojektes abträglich sind“ (107). Dennoch sei das Projekt als erster Schritt zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu begrüßen – zumal es nicht zuletzt dazu beiträgt, notwendige Lernprozesse anzuregen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.4 | 2.21 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Barbara Kraml: Gender Budgeting in Wien Meidling. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30491-gender-budgeting-in-wien-meidling_36201, veröffentlicht am 05.05.2009.
Buch-Nr.: 36201
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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