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/ 03.06.2013
Jürg Steiner

Gewissen in der Politik. Entscheidungsfälle in der Schweiz

Bern/Stuttgart/Wien: Verlag Paul Haupt 1996; IX, 142 S.; 43,- DM; ISBN 3-258-05421-5
In dieser leicht lesbaren Studie wird empirisch untersucht, ob politische Entscheidungen tatsächlich - wie häufig behauptet - nicht aufgrund von Gewissens- sondern lediglich aufgrund von Karrieremotiven getroffen werden. Dabei wurden die einer Entscheidung zugrunde liegenden Motive indirekt durch eine Analyse des tatsächlichen Verhaltens der politischen Akteure und seiner Konsequenzen bestimmt. Der Autor unterstellt zunächst, alle politischen Entscheidungen seien durch Karrierekalküle bestimmt (Nullhypothese). An 115 Entscheidungen zu regionalen Bauvorhaben (20), zur Gleichstellung von Mann und Frau (28) und zu Umweltfragen (67), die zwischen 1971 und 1995 in der Schweiz getroffen wurden, untersucht er, inwieweit Karrieremotive ausgeschlossen und damit Gewissensmotive plausibel gemacht werden können, die hier immer erst dann unterstellt werden, wenn die Politikerinnen und Politiker durch ihre Entscheidungen keine Karrierevorteile bzw. sogar -nachteile erreichten. Er kommt zu dem Ergebnis, daß es eine z. T. durchaus beachtliche Anzahl von Fällen gibt, bei denen begründet Gewissensentscheidungen vermutet werden können und fordert u. a., diese Erkenntnis müsse in der politischen Berichterstattung durch die Medien, in der politischen Theorie und universitären Lehre angemessen berücksichtigt werden.
Silke Becker (Be)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.232.5 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Jürg Steiner: Gewissen in der Politik. Bern/Stuttgart/Wien: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1967-gewissen-in-der-politik_2351, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 2351 Rezension drucken
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